Für das Lebensumfeld in Afghanistan gibt es kein landesweit einheitliches Paket von Dienstleistungen. Stadtplanung und Infrastruktur liegen hauptsächlich in der Verantwortung des Ministeriums für Stadtentwicklung und Wohnungswesen. Gemeinden und Stadtverwaltungen, auf Dari Stadtverwaltung (shārwālī (شاروالی)) genannt, verwalten Abfälle, Entwässerung, Parks, Gehwege und öffentliche Räume. Die Nationale Umweltschutzbehörde (NEPA) ist für Umweltregulierung, Überwachung, Genehmigungen sowie Vorschriften zu Luft, Wasser, Lärm und Abfällen zuständig. Die staatliche Gesellschaft für städtische Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (UWASS) arbeitet an der städtischen Wasser- und Abwasserversorgung. NGOs und UN-Organisationen ergänzen diese Strukturen häufig durch projekt- und geberfinanzierte Aktivitäten. Die Bedingungen unterscheiden sich stark zwischen Kabul, anderen Städten, informellen Siedlungen und ländlichen Gebieten. Die rasche Urbanisierung vergrößerte die bebaute Fläche Kabuls zwischen 2008 und 2021 um etwa 72 Prozent. Im Jahr 2024 lebten rund 11,4 Millionen Menschen in städtischen Gebieten, also mehr als 27 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig bestehen Lücken bei Wasser, Abwasser, Entwässerung, Abfallsammlung, Strom, Gehwegen und sicheren öffentlichen Räumen. Etwa 35 Prozent der Haushalte sind an das Stromnetz angeschlossen; die zuverlässige Versorgung ist deutlich geringer. In ländlichen Gebieten spielen Solarenergie, Kleinwasserkraft und gemeinschaftsbasierte Lösungen eine größere Rolle. Zugang, Kosten und Bearbeitungsdauer hängen von Standort, Anbieter, Projektfinanzierung, Einkommen und Sicherheitslage ab. Wasser- und Abwasserdienste nutzen Grundwasser, Brunnen, Wasserverkäufer, Tankwagen, kommunale Netze sowie lokale schwerkraftgespeiste und solare Systeme. Dürre und sinkende Grundwasserspiegel verschärfen die Versorgungslage; 2025 war das vierte aufeinanderfolgende meteorologische Dürrejahr. UNICEF schätzte 2025, dass etwa 30 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu grundlegenden Trinkwasserdiensten hatten. Für 2024 lag der Anteil der Haushalte mit grundlegenden Wasser-, Sanitär- und Hygienediensten bei etwa 24 Prozent, darunter rund 46,3 Prozent in Städten und 16,5 Prozent in ländlichen Gebieten. Ein älterer Referenzwert der Weltbank wies auf eine Netzabdeckung von unter 20 Prozent in Kabul, Kandahar und Herat, fehlende umfassende Abwassersammlung und Wasserverluste ohne Einnahmen von etwa 50 bis 60 Prozent hin. UWASS bietet Kundendienst an und arbeitet an neuen Leitungen; die Hotline ist unter 130 erreichbar. Eine Kontaktaufnahme führt nicht automatisch zu einem Anschluss. Gebühren, Zuständigkeiten und Bearbeitungszeiten unterscheiden sich lokal. Während Dürren, Überschwemmungen, akuten wässrigen Durchfallerkrankungen oder Choleraausbrüchen sowie in Situationen mit Rückkehrenden und Binnenvertriebenen stellen UNICEF, WHO und NGOs zusätzliche Notdienste bereit. Zu den praktischen Aufgaben gehören ein sparsamer Wasserverbrauch sowie der Schutz von Brunnen und Quellen vor Verunreinigung. Im Jahr 2026 arbeitete UWASS an 132 Wasserprojekten in 19 Provinzen und an dezentralen Anlagen zur Abwasserbehandlung. Luftverschmutzung tritt sowohl in Innenräumen als auch im Freien auf. Im Winter tragen Kohle, Holz und andere feste Brennstoffe zur Verschmutzung bei; weitere Quellen sind Staub von unbefestigten Flächen, Generatoren, Industrie und stark rauchende Fahrzeuge. Nach Daten der WHO waren 2022 nur etwa 31 Prozent der Bevölkerung auf saubere Brennstoffe angewiesen. Die WHO schätzte die durch Luftverschmutzung bedingte Sterblichkeit 2019 auf 269,1 Fälle je 100.000 Einwohner. In Kabul sind Messungen verfügbar, doch die Daten sind teilweise begrenzt oder veraltet; eine landesweit zuverlässige aktuelle AQI-Abdeckung wurde nicht etabliert. NEPA nutzt Regulierung, Kontrollen, Filteranforderungen, Maßnahmen gegen stark rauchende Fahrzeuge und Beschwerdekanäle, wobei die tatsächliche Durchsetzung je nach Standort variieren kann. Für Lärm unterhält NEPA eine Regelung zur Lärmbelastung, auf Dari als مقرره آلودگی صوتی bekannt. Die Belastung tritt besonders häufig in Städten und an kommerziell genutzten Orten auf. Eine zuverlässige landesweite Mess- oder Belastungsreihe sowie ein umfassendes öffentliches Verfahren mit einheitlichen Fristen und Gebühren wurden nicht etabliert. Je nach Standort können Beschwerden über NEPA oder kommunale Kanäle versucht werden. Unmittelbar erlebte Grünflächen (ساحات سبز) umfassen Parks, Straßenbäume, Blumenbeete und Erholungsbereiche. In Kabul verwaltet die Begrünungsdirektion der Stadt Pflege und Ausbau. Ein kommunaler Bericht von 2026 erwähnt mehr als eine Million gepflegte Setzlinge und mehrere Parks im Bau. Es gibt keine einheitliche landesweite Regelung zu Zugang, Pflege oder Öffnungszeiten. In Chahar Qala versorgt eine Anlage nahegelegene Grünflächen mit behandeltem Abwasser in einer Menge von etwa 80 bis 100 Kubikmetern pro Tag. Der Zugang zu Parks und öffentlichen Räumen ist für Frauen und Mädchen durch die derzeitigen Einschränkungen stark begrenzt. Zu einem sicheren Lebensumfeld gehört der Umgang mit Sturzfluten, Dürren, Erdbeben, Erdrutschen, Wasserknappheit, kontaminiertem Land, unsicheren Abfällen oder Abwässern sowie explosiven Kriegsresten. Die Überschwemmungen im Mai 2024 töteten nach Angaben der UN etwa 210 Menschen und zerstörten mehr als 4.000 Häuser. Anfang 2026 waren mehr als 1.000 Quadratkilometer Land kontaminiert; 2025 wurden 471 Opfer durch explosive Kampfmittel registriert. Verdächtige Gegenstände dürfen nicht berührt und kontaminierte Gebiete nicht betreten werden. Meldungen und Weiterleitungen können landesweit über den kostenlosen mehrsprachigen Meldedienst (Awaaz 410) erfolgen; Aufklärung, Erkundung und Räumung werden von der Minenräumorganisation (DAFA) und UN-Partnern durchgeführt, nicht von Awaaz selbst. Gemeinschaftliche Beteiligung (سهمگیری جامعه) kann lokale Gemeinschaftsgruppen, lokale Führungspersonen, Nachbarschaftsvertretungen, Bezirksvertreter (wakil-e guzars), kommunale Informations- und Beschwerdekanäle sowie projektspezifische Rückmeldesysteme umfassen. Das UNDP-Programm (ABADEI) nutzte lokale Prioritätensetzung, 70 Gemeinschaftsgruppen und Plattformen für Beschwerden und Rückmeldungen. Awaaz 410 arbeitet in mehreren Sprachen und leitet Anliegen an mehr als 260 Partner weiter. Reichweite und Sicherheit dieser Kanäle hängen von Telefonzugang, Region, Geschlecht und der Präsenz von NGOs ab. Nach den verfügbaren Informationen bekleideten 2024 keine Frauen Positionen in der lokalen Regierung; 80 Prozent der befragten Frauen hatten bei zentralen Themen keinen Kontakt zu lokalen Behörden. Das Lebensumfeld verändert sich durch den Klimawandel, die Dürre von 2022 bis 2025, sinkende Grundwasserspiegel, Überschwemmungen, Erdbeben, Rückkehrende, Binnenvertreibung, informelle Ausdehnung und geringe Investitionen. Die 2024 eingerichtete Wasserplattform von UN und Weltbank sowie klimaresiliente Projekte sollen Datenlage und Versorgung verbessern. UNICEF berichtete 2025 über 92 klimaresiliente Wassersysteme, sicheren Wasserzugang für mehr als zwei Millionen Menschen, 45 Beobachtungsbrunnen und 100 Datenlogger. UNDP unterstützt Solar-, Energie- und Infrastrukturprojekte in allen 34 Provinzen. Solche Maßnahmen sind meist projekt- oder geberfinanziert und schaffen keinen einheitlichen landesweiten Anspruch; Umsetzung und Zeitplan hängen von Finanzierung, Zugang, Ausschreibungen und lokaler Genehmigung ab. Das Umweltgesetz und die NEPA-Regeln sehen formelle Instrumente wie Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen (ESIA), vorläufige Umweltprüfungen (IEE), Umweltgenehmigungen und Kontrollen zu Luft, Wasser, Lärm und Abfällen vor. NEPA nennt eine Gebühr von 1.000 AFN für eine lokale Umweltgenehmigung und 5.000 AFN für eine ausländische oder gemischte Genehmigung mit einer nominellen Laufzeit von drei Jahren. Weitere Prüfgebühren betreffen Projekte und Betreiber und begründen nicht automatisch Ansprüche der Bewohner. Durchsetzung und tatsächlicher Zugang zu Behörden bleiben uneinheitlich. Natur gehört hier nur insoweit hin, wie Klima, Wasser oder Grünflächen unmittelbar als Teil des Lebensumfelds erlebt werden. Wohnrecht, vollständige Verkehrssysteme und allgemeine Naturräume gehören nicht in diesen Bereich; Gehwege, Zugänglichkeit und verkehrsbedingte Emissionen zählen nur über ihre unmittelbare Wirkung auf die Umwelt.
Lebensumfeld in Afghanistan
Das unmittelbar erlebte Lebensumfeld in Afghanistan wird durch Wasser, Abwasser, Abfälle, Luft, Lärm, Grünflächen, Sicherheit, Zugänglichkeit und öffentliche Räume geprägt. Zuständige Dienste sind fragmentiert und unterscheiden sich stark zwischen Städten, ländlichen Gebieten, Provinzen und einzelnen Projekten. Zugang und Belastung hängen außerdem von Standort, Einkommen, Geschlecht und der Sicherheitslage ab.
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