Informelle Arbeit sichert in Haiti den Lebensunterhalt der meisten Menschen. Eine Länderanalyse der Weltbank schätzt, dass etwa 86 Prozent der Arbeitskräfte informell beschäftigt sind und der informelle Sektor rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Eine telefonische Hochfrequenzbefragung von 2023 schätzte den Anteil formeller Beschäftigung auf etwa zwölf Prozent; andere Quellen nutzen abweichende Definitionen und Stichproben. In Telefonbefragungen von 2021 bis 2025 waren etwa vier von zehn Erwachsenen berufstätig, rund sechs von zehn berufstätigen Befragten selbstständig und ungefähr sieben von zehn gemeldeten Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor. Diese Ergebnisse entsprechen keiner aktuellen, vollständig vergleichbaren nationalen Arbeitskräfteerhebung. Die jüngste für Haiti angeführte ILOSTAT-Haushaltserhebung ist Enquête sur les Conditions de Vie von 2012. Landwirtschaft bleibt eine wichtige Arbeits- und Einkommensquelle; die nationale Erhebung von 2012 bezifferte ihren Beschäftigungsanteil auf 39 Prozent. In der Telefonbefragungsreihe stieg der Anteil von Einzelhandel und kleinem Handel an der gemeldeten Beschäftigung von 27,8 Prozent 2020 auf 43,2 Prozent 2023. Öffentliche Verwaltung und Bildung gingen von 3,3 auf 2,4 Prozent zurück, die Fertigung von 5,2 auf 2,9 Prozent. Auch Bau, Verkehr, Hausarbeit, Handwerk, Hotels und Restaurants, Informations- und Kommunikationstechnologie, Gesundheit, Finanzdienstleistungen, Nichtregierungsorganisationen und internationale Organisationen bieten Arbeit. Exportbekleidung und Montage beschäftigen vergleichsweise wenige Menschen, bleiben für formelle Beschäftigung aber strategisch relevant. Arbeitsplätze konzentrieren sich auf das Département Ouest und den Großraum Port-au-Prince; Cap-Haïtien ist ein weiteres Wirtschaftszentrum. Mehr als 75 Prozent der Hochschulen liegen in Ouest. In städtischen Märkten gibt es mehr Handel, Dienstleistungen und Verbindungen zu formeller Beschäftigung; ländliche Gebiete sind stärker auf Landwirtschaft und informelle Arbeit angewiesen. Unsicherheit und blockierte Verkehrswege können die Verbindung zwischen südlichen und nördlichen Märkten unterbrechen und Exportlieferketten stören. Dieselbe Qualifikation kann deshalb je nach Ort einen unterschiedlichen praktischen Wert haben. Das Institut national de la formation professionnelle (INFP) untersteht dem MENFP und reguliert die berufliche Ausbildung landesweit. Staatliche und akkreditierte private Zentren bieten Lehrgänge an. Das Gesetz vom 21. Mai 2018 sieht die Validation des Acquis de l’Expérience vor, bei der einschlägige Vorerfahrung nach dem geltenden Verfahren anerkannt wird. Die Planung des INFP für 2026–2027 nennt fünf Wirtschaftssektoren, 25 Ausbildungszentren, 696 berufliche Ausbildungsprogramme und 3.480 berufliche Standards. Die Aufnahme erfolgt normalerweise über eine akkreditierte Einrichtung und kann eine Prüfung umfassen; Gebühren und Dauer hängen von Zentrum, Programm und Kalender ab. Hochschul- und weiterführende Ausbildung sind regional stark konzentriert. Der Code du travail und spätere Änderungen bilden den Rechtsrahmen für Beschäftigung, Arbeitsinspektion, Mindestlöhne, Gewerkschafts- und Tarifrechte. Mindestlöhne werden nach Sektoren festgelegt; der Acht-Stunden-Arbeitstag ist ein Referenzwert. Ein Regierungsplan von 2022 nannte Tageslöhne von 770 HTG für Segment A, 615 HTG für B, F, G und H, 540 HTG für C sowie 350 HTG für Hausarbeit in E. Am 4. Mai 2026 setzte die Regierung für Unterauftragsarbeit (sous-traitance) 1.000 HTG pro Tag fest. Weitere sektorale Erhöhungen wurden angekündigt; ihre Beträge und Geltungsdaten müssen geprüft werden. Nominale Löhne sollten angesichts von Inflation und Wechselkursverlusten mit der Kaufkraft verglichen werden. Eine Schätzung des PNPPS zufolge lagen 94,7 Prozent der landwirtschaftlich Beschäftigten unter dem geltenden Mindestlohn. MAST bietet über den Service Public de l’Emploi digitale Arbeitsvermittlung für Arbeitsuchende und Arbeitgeber. Direction de la Main-d’Œuvre und SPMT unterstützen ebenfalls Vermittlung und Arbeitsmigration. Haitianische Beschäftigte können ein livret de travail nutzen; ausländische Arbeitskräfte benötigen eine Arbeitserlaubnis. INFP unterstützt Berufsberatung und die Beobachtung des Ausbildungsbedarfs. Das formelle Vermittlungsverfahren kann Akte, Tests, Gespräch und Gebühr umfassen. Die verfügbare Recherche belegt weder seine Reichweite bei informellen Arbeitgebern noch eine verlässliche landesweite Gebühr. Viele Menschen finden Arbeit daher über persönliche Netzwerke, örtlichen Handel und direkte Vereinbarungen außerhalb formell erfasster Kanäle. MAST ist für den Schutz formeller und informeller Arbeit zuständig; praktische Abdeckung und Durchsetzung sind jedoch schwach, besonders in Landwirtschaft, Hausarbeit und anderen informellen Tätigkeiten. ONA bietet Altersversicherung, OFATMA deckt Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Mutterschaftsschutz im Rahmen seiner Programme ab. Die Belege zeigen keine allgemeine landesweite Arbeitslosenversicherung. Die Nichtzahlung von Sozialbeiträgen stieg von 78,9 Prozent 2021 auf 85,8 Prozent 2023 und schränkt den tatsächlichen Schutz auch dort ein, wo ein formelles Programm existiert. Die Wirtschaftslage hat die Beschäftigungsstabilität verringert. Der Aktivitätsindex fiel zwischen dem ersten Quartal 2019 und dem zweiten Quartal 2024 um 17 Prozent. Gemeldete Rückgänge betrugen etwa 16 Prozent in der Fertigung, 23 Prozent im Bau, 43 Prozent bei Versorgungsleistungen, 26 Prozent im Handel und 23 Prozent in Hotels und Restaurants. Mehr als sieben von zehn Haushalten, die in den Telefonbefragungen 2021–2025 Lohn, nichtlandwirtschaftliche Selbstständigkeit oder landwirtschaftliches Einkommen angaben, meldeten einen Rückgang oder Verlust. Die Weltbank schätzte, dass 2024 etwa 30.000 Arbeitsplätze in der Bekleidungsindustrie verloren gingen. Krisen, Naturgefahren, Inflation und Unsicherheit haben informelle Arbeit, Erwerbsarmut und regionale Missverhältnisse zwischen verfügbaren Fähigkeiten und Stellen verstärkt. Migration verändert ebenfalls das Arbeitskräfteangebot. Rücküberweisungen entsprachen 2024 etwa 16,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; die erfasste Nettomigration lag 2025 bei −32.052. Die Ende 2024 registrierten 1.041.229 Binnenvertriebenen veränderten das Arbeitskräfteangebot und den Zugang zu Stellen im Land. Migration in die Diaspora, Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte, Rückkehr und Abschiebungen können Fähigkeiten abziehen oder zurückbringen. Die verfügbare Recherche belegt kein landesweites, übertragbares Vermittlungssystem, das diese Bewegungen mit örtlichen Stellen verbindet; Alternativen sind überwiegend informell. Nationale und sektorale Zahlen sollten daher anhand der aktuellen Daten von IHSI, MAST, INFP und der geltenden Lohn- und Arbeitsvorschriften geprüft werden, bevor konkrete Entscheidungen zu Arbeit, Ausbildung oder Lohn getroffen werden.
Arbeitsmarkt in Haiti
Der haitianische Arbeitsmarkt besteht überwiegend aus informeller Arbeit und kleineren formellen Bereichen in öffentlichen Diensten, Fertigung, Handel, Landwirtschaft, Bau und anderen Tätigkeiten. Zugang zu Arbeit, Lohn, sozialer Absicherung und Ausbildung unterscheiden sich stark nach Sektor, Ort und Qualifikation. Die verfügbaren Zahlen weisen große Datenlücken auf; Prozentsätze und Lohnbeträge müssen daher zusammen mit Quelle und Datum gelesen werden.
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