Unternehmerische Tätigkeit in Haiti umfasst Handel, Dienstleistungen, Landwirtschaft, Industrie und viele kleine Aktivitäten auf der Straße, in Wohnungen oder in informellen Räumen. FinScope MPME 2023 erfasste etwa 660.845 Inhaber von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen, 710.337 Betriebsstätten und 1.122.557 Beschäftigte. Kleinstunternehmen stellten 71,15 % der Betriebsstätten, kleine Unternehmen 23,90 % und mittlere Unternehmen 4,95 %. Etwa 67 % der Inhaber waren Frauen und 65 % der Betriebsstätten lagen in Städten, mit großen Konzentrationen in Ouest, Artibonite und Sud. Nur etwa 11 % der Betriebsstätten waren registriert oder zugelassen; informelle Tätigkeit bleibt daher das vorherrschende praktische Modell. Informalität bietet nicht denselben Rechtsstatus, Vertragsschutz, Zugang zu öffentlichen oder formellen Finanzdienstleistungen oder dieselbe Compliance-Stellung wie ein registriertes Unternehmen. Eine Formalisierung kann Verträge, Bankbeziehungen, Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor und Finanzierung unterstützen. Der Zugang zu Finanzmitteln bleibt jedoch schwierig, weil vielen Unternehmen Unterlagen fehlen und sie Qualifikationsanforderungen oder Schulden fürchten. In FinScope MPME 2023 hatten 17 % der Befragten in den vorangegangenen zwölf Monaten einen Kredit aufgenommen; 5 % nutzten eine Bank, 5 % einen formellen Nichtbankanbieter und 13 % informelle Quellen. 83 % hatten keinen Kredit aufgenommen. Informelle Finanzierungsmechanismen wurden von 58 % genutzt, während 30 % kein formelles oder informelles Finanzprodukt hatten und nur 3 % versichert waren. Kundenzahlungen erfolgten mit 99 % fast ausschließlich in bar. Eine formelle Gründung beginnt üblicherweise über den MCI Guichet, nachdem der Geschäftsname vorab geprüft wurde; erforderlich sind Identitätsdokumente, Angaben zur Person oder zum Unternehmen und ein Online-Antrag. Für ein Einzelunternehmen (entreprise individuelle) sind im Allgemeinen ein Geschäftsname, ein steuerliches Registrierungskennzeichen (Numéro d’Immatriculation Fiscale, NIF), eine Gewerbeabgabe (patente) und ein Berufsausweis (Carte d’Identité Professionnelle, CIP) erforderlich. Die patente ist eine mit der Betriebsstätte verbundene Gewerbesteuer oder Betriebsabgabe. Personengesellschaften wie die offene Handelsgesellschaft (entreprise en nom collectif) oder die einfache Kommanditgesellschaft (société en commandite simple) verwenden Verträge oder Satzungen und müssen diese veröffentlichen. Eine Aktiengesellschaft (société anonyme) erfordert normalerweise einen Rechtsanwalt oder Notar, eine Satzung, eine Gründungsurkunde, die Einzahlung von mindestens einem Viertel des Kapitals, eine Genehmigung des MCI und eine Veröffentlichung in Le Moniteur. Für eine ausländische Zweigniederlassung sind konsularische oder notarielle Beglaubigung, Bestätigung, Übersetzung, rechtliche Unterstützung und die Abstimmung mit CFI oder MCI erforderlich. Haitianische Antragsteller legen im Allgemeinen eine NINU oder einen Identitätsausweis vor; ausländische Antragsteller verwenden einen Reisepass und eine Aufenthaltserlaubnis. Das MCI prüft den Antrag und kann die Räumlichkeiten besichtigen, bevor es die CIP ausstellt. Das NIF ist für jedes Einzelunternehmen und jede juristische Person erforderlich, und für jede Betriebsstätte wird im Allgemeinen eine eigene patente benötigt. Zu den derzeit veröffentlichten Beträgen gehören 50 HTG für ein NIF, etwa 163 HTG zuzüglich eines Siegels über 25 HTG und Stempel über 11 HTG für ein Verfahren zur Registrierung eines Geschäftsnamens sowie etwa 400 bis 2.000 HTG für eine patente. Gebühren im Zusammenhang mit der CIP umfassen etwa 1.000 HTG; die Bearbeitung durch das MCI kostet ungefähr 250 bis 500 HTG. Zu den veröffentlichten Bearbeitungszeiten gehören etwa 48 Stunden für eine CIP und ungefähr anderthalb bis zwei Wochen für die Veröffentlichung einer ausländischen Zweigniederlassung. Gebühren, Portale und Bearbeitungszeiten sollten vor der Einreichung erneut geprüft werden. Eine Registrierung beseitigt keine sektorspezifischen Anforderungen. Beispiele sind Unterlagen für Apotheken über das Ministère de la Santé Publique et de la Population, Anforderungen an maritime Agenturen über die APN, eine Zulassung für Zollagenten durch die Zollverwaltung sowie Anforderungen für Geldwechselaktivitäten. Das Ministère du Commerce et de l’Industrie ist für Registrierung, Handelsregister, CIP-Ausstellung und einige sektorale Genehmigungen zuständig. Die Direction Générale des Impôts bearbeitet NIF, patente, Steuererklärungen und Gebühren im Zusammenhang mit der Betriebsschließung. CFI unterstützt Investitionsanträge, die Zollverwaltung bearbeitet Ein- und Ausfuhren, und lokale Behörden oder Fachministerien können weitere Anforderungen stellen. Auch Arbeitgeber haben laufende Pflichten. Der Beitrag an die Office National d’Assurance-Vieillesse beträgt 6 % für Beschäftigte und 6 % für Arbeitgeber. Bei der Office d’Assurance Accidents du Travail, Maladie et Maternité sind ein E1-Formular und eine Beschäftigtenliste erforderlich; das E1 muss innerhalb von acht Tagen nach Erhalt eingereicht werden. Die in der Recherche genannten Arbeitgeberbeitragssätze betragen 2 % für Handel, 3 % für Landwirtschaft, Industrie und Export sowie 6 % für Bergbau. Lohn- und Versichertenunterlagen sollten mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden. Importeure reichen die Zollanmeldung im Allgemeinen innerhalb von 21 Tagen nach der Ankunft ein. Für gewerbliche Anmeldungen wird ein zugelassener Zollagent (commissionnaire en douane) eingesetzt; üblicherweise sind ein Konnossement und die Originalrechnung erforderlich. Ab einem Einfuhrwert von 5.000 USD gelten eine DPI und eine Vorabprüfung durch SGS. Bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Fischereiprodukten können außerdem ein Antrag bei der DQCPAP sowie Ursprungs-, Pflanzenschutz- oder Tiergesundheitszeugnisse erforderlich sein. Registrierte Unternehmen können bei CFI Anreize beantragen, wenn es sich um neue Unternehmen, neue Projekte oder den Eintritt in einen neuen Sektor handelt. Zu den möglicherweise erforderlichen Unterlagen gehören ein Schreiben, ein Antragsformular, Geschäftsprognosen für fünf Jahre, eine Importliste, ein Rechtsnachweis, NIF, CIP, eine gültige patente, ein steuerlicher Unbedenklichkeitsnachweis (quitus fiscal), eine Eröffnungsbilanz und endgültige Einkommensteuererklärungen. Zu den für 2025–2026 förderfähigen Sektoren gehören Export und Wiederausfuhr, Landwirtschaft, Handwerk, nationale Industrie, Tourismus und Dienstleistungen, Freizonen und Sonderregelungen. Die Commission d’Investissement entscheidet nach Prüfung und sektorspezifischen Unbedenklichkeitsbescheinigungen über Anreize. Nach den geltenden Vorschriften können in mehreren Sektoren Befreiungen für bis zu zehn Jahre zulässig sein, vorbehaltlich der einschlägigen Gesetzgebung. Unternehmen sind außerdem erheblichen betrieblichen Risiken durch Inflation, Unsicherheit, Straßensperren, Schutzgelderpressung durch Banden, Lieferkosten sowie politische oder klimatische Schocks ausgesetzt. Praktische Schutzmaßnahmen sind die Planung der Geschäftskontinuität, der Schutz von Bargeld und Vermögenswerten sowie die Diversifizierung von Lieferanten und Vertriebskanälen. Eine Betriebsschließung erfordert mehr, als die Tätigkeit einzustellen. Eine inaktive Aktiengesellschaft (société anonyme) kann rechtlich fortbestehen. Die DGI verlangt dann eine jährliche Meldung bis zum 15. Januar und eine Sondersteuer von 500 HTG, die innerhalb von 30 Tagen nach dem Steuerbescheid zu zahlen ist. Für einen DGI-Schließungsantrag werden 25.000 HTG angegeben. NIF-, patente-, CIP-, Steuer- und Arbeitgeberpflichten sollten vor der endgültigen Schließung beglichen werden. Eine vorübergehende Betriebspause ist etwas anderes als eine Liquidation. Für die Übertragung oder Vererbung eines Unternehmens in Haiti ist kein einheitlicher Standardablauf dokumentiert. Die Lösung hängt von der Rechtsform, Satzung und den Verträgen ab und kann MCI, Handelsregister, DGI, Veröffentlichung und einen Notar einbeziehen. Die veröffentlichten Quellen belegen außerdem weder eine einheitliche Definition von MPME noch einen landesweit einheitlichen Zulassungsweg oder eine vollständige Gebühren- und Fristenübersicht für jede Rechtsform.
Unternehmen in Haiti
Unternehmen in Haiti umfassen formelle Betriebe und eine überwiegend informelle Wirtschaft. Die FinScope-Erhebung MPME 2023 zählte etwa 710.337 Betriebsstätten, aber nur 11 % davon waren registriert oder zugelassen. Die meisten Betriebe sind Kleinstunternehmen; die praktischen Bedingungen unterscheiden sich erheblich zwischen Départements und Communes.
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