Im haitianischen Zivilrecht bezeichnet der Begriff état civil die Personenstandsregistrierung, capacité die Rechtsfähigkeit, obligation eine rechtlich durchsetzbare Pflicht und acte authentique eine von einem Notar erstellte oder beglaubigte Urkunde. Das Personenstandssystem erfasst Geburten, Eheschließungen und Todesfälle über einen Standesbeamten (Officier de l’état civil). Auszüge und Beglaubigungen können nötig sein, um Identität, Familienbeziehungen oder Erbrechte nachzuweisen. Ein fehlender oder verspäteter Eintrag kann ein Verwaltungs- oder Gerichtsverfahren erfordern; dessen Verfügbarkeit hängt von der Commune ab. Die Volljährigkeit beginnt laut Verfassung im Allgemeinen mit 18 Jahren. Das Gesetz kennt Rechtsfähigkeit und Schutz für Minderjährige sowie für Personen unter Vormundschaft oder Betreuung. Das Tribunal de paix nimmt Beschlüsse des Familienrats (Conseil de famille) und Eide von Vormündern (tuteurs) oder Betreuern (curateurs) entgegen. Verträge setzen Geschäftsfähigkeit, Einwilligung, eine klar dokumentierte Verpflichtung und Nachweise über die Vereinbarung voraus. Häufige Formen sind eine Privaturkunde (acte sous seing privé) und eine notarielle öffentliche Urkunde (acte authentique). Der Verkauf unbeweglichen Vermögens erfordert normalerweise eine Prüfung von Eigentumstitel und Grundstücksgrenzen, eine Vermessung (arpentage) durch einen vereidigten Landvermesser (arpenteur-géomètre), eine notarielle Urkunde und die Registrierung oder Umschreibung bei der DGI. Nicht haitianische Käufer unbeweglicher Vermögenswerte benötigen möglicherweise eine Genehmigung für den Erwerb von Immobilieneigentum (Autorisation d’Aquisition de Propriété Immobilière) über das MJSP. Aktuelle Anforderungen sollten geprüft werden, bevor man sich auf das Verfahren verlässt. Die Nichterfüllung vertraglicher Pflichten kann Ansprüche auf Erfüllung oder Schadensersatz (dommages-intérêts) begründen. Die Praxis im Immobilienbereich ist zersplittert. Haiti verwendet ein weitgehend papierbasiertes Urkundenregistrierungssystem mit der Grundbuchabteilung der DGI (Service de la Conservation Foncière), dem nationalen Katasteramt (Office National du Cadastre), Notaren, Vermessern und Gerichten. Sich überschneidende oder informelle Eigentumstitel, unvollständige Akten und schwache digitale Suchmöglichkeiten erhöhen das Risiko von Grundstücksstreitigkeiten. Ein Weltbankvergleich von 2020 nannte ungefähr 7 Tage für einen Grundstücksnachweis (certificat foncier), 60 Tage für eine Vermessungsgenehmigung, 26 Tage für die Vermessung, 18 Tage für die notarielle Urkunde, 1 Tag für einen Beitragsbescheid (avis de cotisation) und 225 Tage für die Registrierung bei der DGI. Dies sind historische Vergleichswerte und keine aktuellen landesweiten Zusagen. In historischen Angaben werden außerdem eine gesetzliche Notargebühr von 1 %, ein typischer ASNOP-Wert von 2 %, eine Eintragungsabgabe von 3 % und eine Umschreibungsgebühr von 1 % genannt. Die aktuellen Sätze müssen bestätigt werden. Das Familienrecht regelt standesamtliche Eheschließung, Scheidung, Abstammung, Vaterschaft, Mutterschaft, elterliche Sorge und Unterhalt. Die Verfassung schützt Familien mit und ohne Eheschließung sowie Kinder und Eltern. Plaçage ist eine örtlich relevante informelle Lebensgemeinschaft. Die verfügbaren Belege bestätigen jedoch nicht, dass sie denselben rechtlichen Status wie eine Ehe hat; dadurch können Nachweis- und Erbrisiken entstehen. Das Dekret von 1982 beseitigte wichtige Formen der Diskriminierung verheirateter Frauen und stärkte ihre Zivilrechtsfähigkeit. Ein umfassendes Familiengesetzbuch ist verfassungsrechtlich vorgesehen, seine Verabschiedung ist in der verfügbaren Recherche aber nicht bestätigt. Ein Erbfall beginnt mit dem Nachweis von Tod, Familienbeziehungen, Eheschließung, Eigentum und bestehenden Schulden. Zum Nachlass können Rechte, rechtliche Ansprüche und Verbindlichkeiten gehören. Erben benötigen möglicherweise ein Nachlassverzeichnis und müssen entscheiden, ob sie die Erbschaft annehmen oder ausschlagen. Eine Annahme unter Inventarvorbehalt (bénéfice d’inventaire) kann die Haftung für Nachlassverbindlichkeiten nach dem anwendbaren Verfahren begrenzen. Ein Testament ist widerruflich. Erbteilung und Umschreibung können Notar, DGI, Gerichtsregistratur (greffe) und Tribunal de première instance einbeziehen. Ältere geschlechtsbezogene Vorschriften des Code civil sollten nicht angewendet werden, ohne Verfassung und spätere Reformen zu prüfen. Zivilrechtliche Haftung setzt im Allgemeinen den Nachweis von Verschulden, Schaden und ursächlichem Zusammenhang voraus. Artikel 1168 des haitianischen Code civil enthält eine allgemeine Haftungsgrundlage wegen Verschuldens. Artikel 1170 regelt die Haftung für Handlungen anderer Personen oder für Sachen, die jemand unter seiner Kontrolle hat. Anspruchsteller können vor den Zivilgerichten Schadensersatz oder Vertragserfüllung verlangen. Strafverfahren sind davon getrennt und ersetzen einen zivilrechtlichen Anspruch nicht allein deshalb, weil dasselbe Ereignis auch eine Straftat sein könnte. Zivilverfahren können je nach Streitigkeit mit Klageschrift (assignation), gerichtlicher Ladung (citation), Antrag (requête) oder Eilverfahren (référé) beginnen. Das Tribunal de paix behandelt örtliche Zivil- und Handelssachen, Besitz- und Grenzstreitigkeiten, Mietverhältnisse, Vertragsbeendigung und Räumung, bestimmte Pfändungen, Schlichtung und Handlungen des Familienrats. Verfahren können zum Tribunal de première instance, zur Cour d’appel und schließlich zur Cour de Cassation führen. Letztere prüft Rechtsfehler, verhandelt aber die Tatsachen nicht erneut. Das MJSP nannte 18 Tribunaux de première instance in 10 Départements, während eine ältere Quelle 15 in 9 aufführte. Das zuständige Gericht sollte vor Ort bestätigt werden. CNAL und BAL bieten einen Rahmen für Prozesskostenhilfe für Menschen mit begrenzten Mitteln; dessen Umsetzung ist landesweit uneinheitlich. Für die Vollstreckung braucht es einen Vollstreckungstitel (titre exécutoire), etwa ein vollstreckbares Urteil oder eine geeignete notarielle Urkunde, sowie eine bestimmte und fällige Forderung. Üblicherweise stellt ein Gerichtsvollzieher (huissier) Unterlagen zu und leitet eine Zahlungsaufforderung (commandement), Pfändung beweglicher oder unbeweglicher Vermögenswerte, Verkauf und Verteilung des Erlöses ein. Die Verfassung gibt Urteilen und vollstreckbaren notariellen Urkunden Vollstreckungswirkung; das Code de procédure civile regelt die Zwangsvollstreckung. Schuldner können nach dem geltenden Verfahren Einwände erheben. Ausländische Urteile müssen vor der Vollstreckung in Haiti im Allgemeinen legalisiert werden und ein Exequatur durchlaufen. Kosten für Gerichtsvollzieher, Gericht, Veröffentlichung, Versteigerung und DGI variieren. Eine verlässliche aktuelle landesweite Vollstreckungsdauer ist nicht belegt. Das amtliche Gesetzblatt Le Moniteur, aktuelle Informationen des MJSP, die Cour de Cassation und amtliche Rechtstexte sollten geprüft werden, denn einige verfügbare Gesetzesfassungen und Reformmaterialien sind historisch oder kommentiert.
Zivilrecht in Haiti
Das Zivilrecht in Haiti regelt Rechtsbeziehungen zwischen Privatpersonen und Organisationen, darunter Verträge, Eigentum, Familienangelegenheiten, Erbschaft, Haftung, Gerichtsverfahren und Vollstreckung. Zu den wichtigsten Rechtsquellen gehören die Verfassung von 1987, der Code civil, der Code de procédure civile und Sonderdekrete. Formelle Vorschriften bestehen, doch Zugang, Aktenlage und Gerichtspraxis können variieren. Aktuelle amtliche Texte und lokale Verfahren müssen daher geprüft werden.
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