Die größten dokumentierten Religionsgemeinschaften in Jamaika sind christlich. Bei der Volkszählung von STATIN aus dem Jahr 2011 wurden 322.228 Siebenten-Tags-Adventisten, 295.195 Pfingstler, 246.838 Mitglieder anderer Church-of-God-Gruppen, 192.086 Mitglieder der Neutestamentlichen Kirche Gottes und 180.640 Baptisten erfasst. Ebenfalls verzeichnet wurden anglikanische, römisch-katholische, vereinigte und methodistische Gemeinden sowie Erweckungsgemeinschaften und 29.026 Rastafari. Die Volkszählung erfasste außerdem 572.008 Menschen ohne Religion oder Konfession. Zu den kleineren dokumentierten Gemeinschaften zählen Muslime, Hindus, Juden und Angehörige des Baháʼí-Glaubens. Die zugängliche STATIN-Veröffentlichung enthält noch keine religiöse Aufschlüsselung der Volkszählung von 2022. Der Zugang vor Ort beginnt meist bei einer Kirchengemeinde, einer Moschee oder einem Masjid, einem Mandir, einer Synagoge oder einer Rastafari-Mansion. Rastafari hat keine zentrale Gesamtorganisation; Gruppierungen wie Nyabinghi, Bobo Shanti und Twelve Tribes haben eigene Strukturen und religiöse Praktiken. Christliche Gottesdienste, Gebete, Predigten, Taufen, Kommunion sowie die Sabbat- oder Sonntagspraxis unterscheiden sich nach Konfession. Muslimische Gemeinschaften bieten häufig fünf tägliche Gebete, das Freitagsgebet, den Ramadan und Zusammenkünfte zum Eid an. Rastafari-Gemeinschaften können Nyabinghi-Versammlungen und „Reasoning“ abhalten. Obeah und Myalismus sind von Westafrika beeinflusste, in Jamaika erwähnte Praktiken. Eine verlässliche landesweite Zählung gibt es dafür nicht. Der Jamaikanische Kirchenrat (Jamaica Council of Churches) unterstützt Konsultation, Zusammenarbeit und ökumenischen Austausch zwischen unter anderem anglikanischen, baptistischen, methodistischen, mährischen, römisch-katholischen, Heilsarmee-, Quäker- und Vereinigte-Kirche-Gemeinden. Der Jamaikanische Rat für interreligiöse Zusammenarbeit (Jamaica Council for Interfaith Fellowship) bietet ein Netzwerk mit Vertretungen aus christlichen, Rastafari-, hinduistischen, muslimischen, jüdischen und Baháʼí-Gemeinschaften. Diese Räte fördern Dialog und Kooperation, sind aber weder staatliche Zentralbehörden noch allgemeine Registrierungsstellen. Zu den allgemeinen Feiertagen Jamaikas mit religiösem Bezug zählen Aschermittwoch, Karfreitag, Ostermontag, Weihnachten und der zweite Weihnachtsfeiertag. Termine und Ersatzruhetage richten sich nach dem Gesetz über allgemeine Feiertage (Holidays (Public General) Act). Ramadan, Eid, hinduistische und jüdische Feiertage sowie Rastafari-Feiertage sind religiöse Anlässe, aber keine allgemeinen Feiertage. Gläubige müssen den Zugang zu Schule, Arbeit oder Dienstleistungen gegebenenfalls mit der jeweiligen Institution abstimmen. Das Ministerium für Bildung, Qualifikationen, Jugend und Information (Ministry of Education, Skills, Youth and Information) ist für den nationalen Bildungsrahmen zuständig. Der Lehrplan für Klasse 4 bis 6 und Klasse 7 bis 9 umfasst Religionsunterricht. Er behandelt das Lernen über und aus Religion, das Christentum, Weltreligionen, jamaikanische und karibische Glaubenssysteme sowie Übergangsriten. Der Unterricht soll konfessionsübergreifend sein. Die Richtlinien für Andachten an Schulen (Guidelines for Devotions in Schools) sehen gemeinsame Andachten vor, die inklusiv, sensibel und konfessionsübergreifend gestaltet sind. Nach Paragraf 18 des Bildungsgesetzes (Education Act) können Eltern religiöse Andachten, Religionsunterricht oder Regelungen zu Gottesdiensttagen ablehnen. Für kirchliche und andere Privatschulen gelten im Rahmen der nationalen Anforderungen zusätzlich Regeln des jeweiligen Schulträgers. Die Kleider- und Haarpflegeordnung für Lernende (Student Dress and Grooming Policy) erlaubt keinen Ausschluss wegen religiöser oder kultureller Haartracht oder Kopfbedeckung, darunter Locks und Hijabs. Aufnahme, Gebühren, Uniformen und religiöse Aktivitäten können sich von Schule zu Schule und nach den Vorgaben der Schulträger unterscheiden. Paragraf 17 der jamaikanischen Verfassung und Charta schützt Gedanken- und Religionsfreiheit. Dazu gehören das Recht, die Religion zu wechseln, sie privat oder öffentlich zu bekunden sowie Gottesdienst, Bekenntnis, Ausübung und Lehre. Menschen dürfen nicht gezwungen werden, entgegen ihren religiösen Überzeugungen zu handeln oder einen religiösen Eid zu leisten. Religiöse Diskriminierung ist verboten. Bei Streitfällen zu diesen Rechten können das Justiz- und Verfassungsministerium, Gerichte und die Ombudsstelle für die Öffentlichkeit (Public Defender) zuständig sein. Religionsgemeinschaften dürfen Bildungsstätten gründen und betreiben, sofern sie gesetzliche Anforderungen erfüllen. Für den bloßen Betrieb muss sich eine Religionsgemeinschaft üblicherweise nicht formell registrieren. Eine Eintragung als Körperschaft beim Unternehmensregister Jamaikas (Companies Office of Jamaica) kann einer Gruppe ermöglichen, Grundstücke zu halten, Gerichtsverfahren zu führen oder abzuwehren, institutionelle Verträge abzuschließen und unter bestimmten Bedingungen den Zugang von Geistlichen zu Gefängnissen zu regeln. Kirchen oder gemeinnützige Organisationen können das Formular 1B für Gesellschaften mit beschränkter Gewährleistung nutzen. Eine Registrierung als Wohltätigkeitsorganisation beim Amt für Genossenschaften und gemeinnützige Vereine (Department of Co-operatives and Friendly Societies) oder beim Unternehmensregister ist getrennt von der Steuerbefreiung. Diese bearbeitet die jamaikanische Steuerverwaltung (Tax Administration Jamaica) gegebenenfalls gemeinsam mit dem Zoll oder dem Finanzministerium. Eingetragene Körperschaften müssen laufend Berichte und Finanzabschlüsse einreichen. Die Gebühren richten sich nach den aktuellen amtlichen Tarifen. Nach dem Obeah-Gesetz ist die Ausübung oder Beratung zu Obeah strafbar; die Höchststrafe beträgt zwölf Monate. Berichten zufolge gelten auch für den Myalismus Einschränkungen aus der Kolonialzeit. Ob diese heute durchgesetzt werden, geht aus den verfügbaren Recherchen nicht hervor. Religiöse Trauungen können rechtlich wirksam sein, wenn eine zugelassene oder bestellte Standesbeamtin oder ein zugelassener oder bestellter Standesbeamter sie vornimmt und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Das Paar benötigt üblicherweise eine Ministerlizenz des Justizministeriums. Das RGD registriert die Ehe und stellt die Heiratsurkunde aus. Beide Personen müssen mindestens 18 Jahre alt sein; bei 16- oder 17-Jährigen ist die Zustimmung der Eltern oder einer erziehungsberechtigten Person erforderlich. Keine Person darf bereits verheiratet sein. Zwei Trauzeugen sind nötig. Die Lizenz gilt 90 Tage lang und ist in Jamaika gültig. Ausländische Personen müssen sich vor der Zeremonie im Allgemeinen mindestens 24 Stunden in Jamaika aufgehalten haben. Die Stempelsteuer für die Lizenz beträgt laut Angabe 4.000 J$. In der Gebührenordnung des Ehegesetzes (Marriage Act) sind 2.000 J$ für die Trauung durch eine Standesbeamtin oder einen Standesbeamten, 2.500 J$ für eine Zivilstandesbeamtin oder einen Zivilstandesbeamten und 650 J$ für die Heiratsurkunde aufgeführt; die aktuellen Beträge sollten bestätigt werden. Gottesdienste, Beratung, Taufen, Beisetzungen und damit verbundene Beiträge oder Gebühren legt die einzelne Gemeinde fest. Eine religiöse Zeremonie ersetzt nicht die Personenstandsregistrierung. Der direkte rechtliche Nachweis der Ehe ist die Urkunde des RGD.
Religion in Jamaika
Religion in Jamaika umfasst christliche Konfessionen, Rastafari, Erweckungsgemeinschaften, den Islam, den Hinduismus, das Judentum, den Baháʼí-Glauben und Menschen ohne Religionszugehörigkeit. Eine Gemeinde ist eine örtliche Gemeinschaft, in der gemeinsam Gottesdienst gefeiert wird; eine Konfession ist eine übergeordnete Religionsgemeinschaft mit eigenen Lehren und Praktiken. Jamaika schützt Gedanken-, Religions-, Gottesdienst-, Bekenntnis-, Ausübungs- und Lehrfreiheit. Für bestimmte religiöse Praktiken und Einrichtungen gelten jedoch besondere Rechtsvorschriften. Das religiöse Leben wirkt sich auch auf Schulen, Feiertage, gemeinschaftliche Angebote, interreligiösen Dialog sowie Eheschließungen und Beisetzungen aus.
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