Das am besten belegte Katastrophenrisiko in Libyen sind Überschwemmungen. Der Sturm Daniel ließ am 10. September 2023 zwei Dämme bei Derna brechen. Rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser wurden freigesetzt und zerstörten oder beschädigten Wohnviertel, Straßen, Brücken, Strom-, Telekommunikations-, Wasser- und Abwassersysteme. Derna hatte bereits zwischen 1942 und 1986 vier schwere Überschwemmungen erlebt. Starkregen kann auch normalerweise trockene Wadis überfluten – Flussbetten, die bei Regen Wasser führen – und Erdrutsche, Gebäudeschäden und Straßensperrungen auslösen. Starke Winde, der Verfall von Dämmen, Dürre und Wasserknappheit sind weitere Gefahren. Berichten zufolge stammen mehr als 90 % der Wasserversorgung Libyens aus nicht erneuerbarem Grundwasser. Das verstärkt die Folgen des extrem trockenen Klimas, des Bevölkerungswachstums und der nicht nachhaltigen Wasserentnahme. Das المركز الوطني لإدارة الطوارئ والأزمات والكوارث, üblicherweise National Centre for Emergency, Crisis and Disaster Management (NCCM) genannt, ist die formelle nationale Koordinierungsstelle unter dem Ministerrat Libyens. Sie koordiniert vor, während und nach Notfällen Maßnahmen und Richtlinien und arbeitet mit dem Innenministerium, dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Internationale Zusammenarbeit, der Allgemeinen Behörde für Kommunikation und Informatik, der هيئة السلامة الوطنية, dem Zentrum für Notfallmedizin und Unterstützung sowie weiteren öffentlichen und privaten Stellen zusammen. Das NCCM unterstützt auch ein Expertenregister und die Freiwilligenplattform Saed. Libyen hat kein direkt gleichwertiges, vollständig integriertes nationales Katastrophenschutzsystem mit einheitlich verbindlichem Standard für Warnungen, Evakuierung und Notfallleistungen. Das formelle System ist im Aufbau und bleibt fragmentiert; Zuständigkeiten, Kapazitäten und Zugang unterscheiden sich regional. Das Libysche Nationale Meteorologische Zentrum (LNMC) ist die bei der WMO registrierte nationale Warnbehörde. Es gibt Wetter- und Umweltwarnungen auf Arabisch und Englisch heraus und verbreitet sie an öffentliche Stellen und Medien. Prognosegestützte Warnungen verschafften nützliche Vorlaufzeit: Vor dem Extremwetter im Südwesten am 14. August 2024 wurde etwa 48 Stunden vorher gewarnt, vor dem Ereignis in Kufra am 11. August 2024 etwa 72 Stunden vorher. Vor dem Ereignis im Nordwesten vom 5.–6. Dezember 2024 aktualisierte das LNMC die Warnungen mehrmals. In Al-Qarbouli und Khallat Al Furjan fielen dabei 142–155 Millimeter Niederschlag, an mehreren weiteren Orten 129 Millimeter. Kufra verzeichnete binnen 24 Stunden 51 Millimeter, den höchsten Messwert der Station seit 1952. Eine Warnung garantiert nicht, dass jede Gemeinde dieselbe Nachricht erhält, die Gefahr versteht oder handeln kann, bevor Straßen, Kommunikation oder örtliche Infrastruktur ausfallen. Die Katastrophe von Derna 2023 zeigte Schwächen bei Risikoanalyse, Verständnis der Warnungen, Evakuierungsentscheidungen und der Kommunikation bis zur Bevölkerung. Für einen aktuellen Notfall veröffentlichte die هيئة السلامة الوطنية am 27. August 2026 die Nummern 091 303 3164 und 021 4775 557. Anrufende sollten die Art des Ereignisses, den genauen Ort, eingeschlossene oder verletzte Personen und den Zustand von Strom- und Wasserversorgung nennen. Das NCCM ist unter +218 21 3618100 und info@nccm.gov.ly erreichbar; eine garantierte Erreichbarkeit oder landesweite Reaktionszeit ist jedoch nicht belegt. Wo die Kommunikation funktioniert, kann die Gemeinde, ein lokaler Rettungsdienst oder die Polizei ebenfalls der schnellste Kontakt sein. Strukturen der Nationalen Sicherheitsbehörde, das Innenministerium, das Zentrum für Notfallmedizin und Unterstützung, der Libysche Rote Halbmond und Freiwillige können bei Rettung, Erster Hilfe, Evakuierung, würdevoller Bestattung und Nothilfe unterstützen. Kapazitäten und Zuständigkeiten unterscheiden sich je nach Gebiet. Betritt keine überfluteten Wadis, Dammgebiete, instabilen Gebäude oder Bereiche mit Wasser, das unter Strom stehen könnte. Folge lokalen Warnungen und Sperrungen, halte Rettungswege frei und meide beschädigte Brücken und Straßen. Hochwasser kann Abwasser oder andere Verunreinigungen mitführen. Trümmer, Vertreibung und freigelegte Minen oder Blindgänger können nach dem Rückgang des Wassers weitere Gefahren verursachen. Libyen hat keinen bestätigten landesweiten öffentlichen Evakuierungsplan, kein Warnstufenmodell, kein Register von Sammelstellen und keine nationale Karte von Notunterkünften. Evakuierungsanordnungen, Transport und vorübergehende Unterkünfte richten sich üblicherweise nach dem Ereignis und der Gemeinde. Während der Überschwemmungen von 2023 dienten Schulen und mobile Behelfsunterkünfte als Notunterkünfte. Schäden an Straßen und Brücken können sowohl Evakuierung als auch Hilfe verhindern. Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Binnenvertriebene, Migrantinnen und Migranten sowie Gemeinschaften in der Nähe abgelegener Wadis oder Grenzgebiete können zusätzlichen Hürden begegnen. Humanitäre Hilfe kann von nationalen Behörden, Gemeinden, dem Libyschen Roten Halbmond, OCHA, WHO, UNICEF, WFP, IOM, UNDP und IFRC geleistet werden. Nach einem Ereignis kann Unterstützung in Form von Gütern, Leistungen oder Geld nach einer ereignisspezifischen Registrierung oder Bedarfsermittlung bereitgestellt werden. Für Libyen ist weder ein allgemeiner Rechtsanspruch auf sofortige Katastrophenzahlungen noch ein einheitliches Entschädigungssystem, Antragsverfahren oder eine feste Bearbeitungsfrist bestätigt. Der Zugang kann von Sicherheitslage, politischer Teilung, Straßen- und Telekommunikationsschäden, Registrierungsdokumenten und verfügbaren Finanzmitteln abhängen. Finanzierungszahlen aus 2023, darunter angekündigte öffentliche Mittel und der humanitäre Hilfsaufruf über 71,4 Millionen USD für 250.000 Betroffene, beschreiben die damalige Reaktion und begründen keinen aktuellen Anspruch. Katastrophen können wesentliche Dienste für Monate oder Jahre außer Betrieb setzen. Eine gemeinsame Bewertung von Weltbank, EU und UNDP für 20 Gemeinden schätzte den Schaden auf rund 1 Milliarde USD, die Verluste auf 0,6 Milliarden USD und den Wiederaufbaubedarf auf 1,8 Milliarden USD. Erfasst wurden 30.975 sichtbar beschädigte Gebäude oder Bauwerke und bis zu 346 Kilometer möglicherweise oder nachweislich beschädigte Straßen. Von 447 untersuchten Schulen waren 117 betroffen, 44 schwer beschädigt und vier zerstört. Nach den Überschwemmungen waren laut WHO 63 % der untersuchten Krankenhäuser und 52 % der Grundversorgungseinrichtungen teilweise oder vollständig funktionsunfähig. Auch Wasserleitungen, Kanalnetze, Brunnen, Entsalzungsanlagen, Stromversorgung, Telekommunikation, Brücken und Krankenhäuser wurden beschädigt; UNICEF meldete, dass neun von 18 Brunnen in Derna außer Betrieb waren. Die medizinische Nothilfe 2023–2024 umfasste 78,6 Tonnen medizinische Hilfsgüter, 1.059 medizinische Kits, 247 Ausrüstungseinheiten, 10 Krankenwagen und 15 mobile Kliniken. Die WHO unterstützte 32 Krankenhäuser, 15 Zentren der medizinischen Grundversorgung und 15 weitere Einrichtungen, unter anderem mit Feldkrankenhausversorgung, Krankheitsüberwachung und Krankheitsbekämpfung. Diese Zahlen dokumentieren eine konkrete Hilfsmaßnahme und garantieren keine aktuelle Kapazität. Die Wiederaufbauplanung stützt sich auf Schadens- und Bedarfserhebungen, die UNDP-Arbeitsgruppe für frühzeitige Erholung, den Bau- und Wiederaufbaufonds Bengasi-Derna sowie lokale Behörden. Zu den typischen Prioritäten zählen die sichere Beseitigung von Trümmern und Blindgängern, Wasser und Abwasser, Damm- und Wadisicherheit, Straßen und Brücken, Strom, Telekommunikation, Schulen und Gesundheitsversorgung. Transparente Beschaffung, konfliktbewusste Entscheidungen und die Einbeziehung betroffener Gruppen mindern das Risiko, dass der Wiederaufbau Gemeinschaften erneut Gefahren aussetzt. Libyen verabschiedete 2026 eine Nationale Dürremanagementstrategie und einen Aktionsplan mit einem Zehnjahresfahrplan für risikobasiertes Dürremanagement und einen integrierten Dürremanagementplan. Die Nationale Wasserstrategie 2026–2050 behandelt Wasserpolitik, Infrastruktur, Klimaresilienz und Verluste und sieht geplante oder fortlaufende Telemetrie, Überwachungssysteme und digitale Auswertung vor. Diese Maßnahmen befinden sich noch im Aufbau. Unabhängige Belege für landesweite Warnabdeckung, Evakuierungsplanung, Schutz kritischer Infrastruktur und regelmäßige Übungen sind weiterhin begrenzt. Die Erholung kann daher Stunden oder Tage für die unmittelbare Reaktion und Monate oder Jahre für Infrastruktur, Dienste und sichereren Wiederaufbau in Anspruch nehmen.
Katastrophen in Libyen
Zu den Katastrophenrisiken in Libyen zählen Sturzfluten, Starkregen, über die Ufer tretende Wadis, Erdrutsche, starke Winde, Dammversagen und anhaltende Dürre oder Wasserknappheit. Das Hochwasserrisiko ist besonders an der Nordostküste, im Dschabal al-Achdar und in Derna belegt; weitere Gefahrenpunkte liegen im Nordwesten, Südwesten, Südosten und Raum Kufra. In Libyen gibt es nationale Koordinierungs- und Wetterwarneinrichtungen, doch Notfallzugang, Evakuierung und Hilfe unterscheiden sich je nach Gemeinde und Region.
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