Der französische Begriff animaux de compagnie wird häufig für privat gehaltene Heimtiere verwendet. Für Madagaskar sind keine landesweite Haustierbehörde, kein verpflichtendes Haustierregister und keine öffentliche Abgabestelle dokumentiert. Die Verantwortung liegt daher weitgehend bei den Halterinnen und Haltern, den örtlichen Veterinärdiensten, privaten Kliniken und Tierschutzorganisationen. Das Landwirtschafts- und Viehzuchtministerium, MINAE, ist landesweit über seine Direction des Services Vétérinaires (DSV) tätig. Regionale Veterinärdienste, die Services Régionaux de l'Elevage (SRE), qualifizierte private Tierärzte und Kliniken, Nichtregierungsorganisationen und Tierheime bieten verschiedene Formen der verfügbaren Unterstützung an. Ein Tierheim nimmt Tiere vorübergehend auf und kann Rettung, Pflegestellen oder Vermittlungen organisieren. Hunde und Katzen sind die am besten dokumentierten privat gehaltenen Tiere. In einer 2016 in Mahajanga erhobenen und 2024 veröffentlichten Stichprobe hatten 338 von 400 Hunden einen Halter, 95,6 % wurden hauptsächlich als Wachhunde gehalten, 45 % konnten sich frei auf Straßen oder in der Umgebung bewegen und bei nur 34 % war ein Tollwutschutz dokumentiert. Von 82 befragten Halterinnen und Haltern berichteten 55 von unregelmäßigem Zugang zu tierärztlicher Versorgung. Die Stichprobe ist für Madagaskar insgesamt nicht repräsentativ, zeigt aber, warum unkontrollierter Freilauf, Wachhundehaltung, Impfungen und der Zugang zu Behandlungen praktische Themen sind. Für andere Arten ist die übliche Versorgung weniger genau dokumentiert. Wildtiere und geschützte Arten, insbesondere Lemuren, unterliegen dem Artenschutz und dem CITES-Übereinkommen und nicht den üblichen Regelungen für Haustiere. Das Gesetz Loi n°2006-030 regelt Teile des Veterinär- und Tierschutzrahmens. Artikel 3 beschränkt die Ausübung der Veterinärmedizin auf qualifiziertes und staatlich anerkanntes Personal. Artikel 4 verpflichtet Halterinnen und Halter, Bedingungen zu schaffen, die den biologischen Bedürfnissen der jeweiligen Art entsprechen. Artikel 8 verbietet schwere Misshandlung, Grausamkeit und Gewalt, ausgenommen Tätigkeiten, die für zootechnische, wissenschaftliche oder sportliche Zwecke erforderlich sind. Ein modernes Gesetz, das eigens Heimtiere regelt, ist für Madagaskar nicht dokumentiert. Ein MINAE-Workshop befasste sich 2021 mit der Überarbeitung des Tierschutzrechts; wie weit die geltenden Vorschriften durchgesetzt werden, ist jedoch unklar. Der landesweit geltende Arrêté n°3412/2000 erfasst Hunde, Katzen und Lemuren, die als Heimtiere gehalten werden. Eine Tollwutimpfung darf nur eine Tierärztin oder ein Tierarzt oder eine unter tierärztlicher Aufsicht arbeitende Assistenzkraft verabreichen. Die Halterin oder der Halter trägt die Kosten; der Impfstoff muss ein zugelassenes inaktiviertes Präparat sein. Die erste Impfbescheinigung gilt höchstens ein Jahr; spätere Auffrischungen richten sich nach dem Impfstoffprotokoll. MINAE empfiehlt die systematische Impfung domestizierter warmblütiger Tiere. Tollwut ist in Madagaskar endemisch, und Hundebisse gehen häufig auf den eigenen Hund oder den Hund aus der Nachbarschaft zurück. Deshalb sollten Impfnachweise zusammen mit den übrigen Unterlagen des Tieres aufbewahrt werden. Ein MINAE-Bericht von 2022 erfasste 81 Hunde und Katzen in einem Impfprogramm. Diese Zahl ist weder eine landesweite Impfquote noch eine Schätzung der gesamten Haustierpopulation. Der Zugang zu Tierärzten ist geografisch und finanziell ungleich. MINAE berichtet von einem Mangel an Tierärzten und erschwertem Zugang. Für Antananarivo gibt es die deutlichsten Belege für spezialisierte und umfassende Versorgung. Vetcare führt Beratungen, Impfungen, Entwurmung, Operationen, Bildgebung, Laborleistungen, stationäre Aufnahme, Zahnbehandlungen, Fellpflege, Katzenpension, Mikrochipimplantation und Unterstützung bei Import und Export auf. Nicht dringende Hausbesuche sind nach Terminvereinbarung möglich. In ländlichen Gebieten und anderen Landesteilen ist das Angebot unterschiedlich, und eine vollständige öffentliche Liste von Anbietern gibt es nicht. Beispiele privater Preise von VetClinic in Antananarivo beginnen bei 37.400 MGA für eine Beratung oder Impfberatung, 500.000 MGA für die Kastration eines Rüden und 600.000 MGA für die Sterilisation einer Hündin. Eine 30-minütige Anfahrt zu einer Beratung wird als kostenlos angeboten. Medikamente, Transport, Klinikwahl und Zeitpunkt können zusätzliche Kosten verursachen; einen veröffentlichten landesweiten Einheitstarif für Haustierbehandlungen gibt es nicht. Für die Einfuhr eines Hundes oder einer Katze nach Madagaskar müssen eine Einfuhrgenehmigung und eine Tollwutimpfbescheinigung über den Veterinärdienst organisiert werden. Für andere lebende Tiere sind eine Einfuhrgenehmigung und ein Gesundheitszeugnis erforderlich. Der madagassische Zolltarif für 2026 weist Haushunde und -katzen unter HS 0106.19 40 mit 20 % Zoll und 20 % Mehrwertsteuer aus. Die genaue Zollberechnung und die Gebühren für Genehmigungen hängen vom Einzelfall ab und sind nicht als einheitliche Haustiergebühr veröffentlicht. Für die Ausfuhr können für gelistete Tiere je nach Art und Zielland eine Ein- oder Ausfuhrgenehmigung, eine Autorisation de dédouanement, CITES-Unterlagen sowie Gesundheits- oder Pflanzengesundheitszeugnisse erforderlich sein. Hunde und Katzen müssen außerdem die Vorschriften des Ziellandes und die Bedingungen der Fluggesellschaft erfüllen. Ein landesweiter Haustierpass oder ein nationales Mikrochipregister ist für Madagaskar nicht dokumentiert. Für Reisen in die EU beschreibt Vetcare folgende zielortspezifische Anforderungen: Der Mikrochip muss vor der Tollwutimpfung implantiert werden, der Antikörpertiter muss mindestens 0,5 IU/ml erreichen, und die Blutprobe muss frühestens 30 Tage nach der Impfung entnommen werden. Danach wartet das Tier drei Monate vor der Reise. Das Gesundheitszeugnis ist 10 Tage gültig. Diese Anforderungen gelten für den vom Anbieter beschriebenen EU-Reiseablauf und dürfen nicht auf jedes Reiseziel übertragen werden. Wenn eine Halterin oder ein Halter ein Tier nicht mehr behalten kann, kommen eine private Übergabe, eine Pflegestelle, eine Rettungsorganisation, ein Tierheim oder eine Vermittlung infrage. Gasy Animal Aid ist eine anerkannte, seit 2019 in Antananarivo tätige Nichtregierungsorganisation. Sie bietet Straßenrettung, tierärztliche Behandlung, Sterilisation, Unterstützung bei der Vermittlung und Hilfe für Familien, die sich keine Behandlung leisten können. Gasy Mobilisation pour les Animaux ist eine 2023 gegründete registrierte gemeinnützige Organisation und betreibt das Refuge Ambohimanga, in dem etwa 40 Hunde leben. Eine staatliche Abgabestelle oder ein verpflichtendes Übergabeverfahren ist nicht dokumentiert. Realistischer ist es daher, eine qualifizierte Tierärztin oder einen qualifizierten Tierarzt, ein örtliches Tierheim oder eine etablierte Tierschutzorganisation zu kontaktieren, statt eine zentrale öffentliche Aufnahmestelle zu erwarten.
Haustiere in Madagaskar
Ein Haustier in Madagaskar zu halten bedeutet, ein Tier auszuwählen, artgerechte Pflege sicherzustellen, tierärztliche Versorgung zu organisieren und Vorschriften zu Impfung und Reisen einzuhalten. Hunde und Katzen sind die am besten dokumentierten Heimtiere, doch Zugang zu Tierärzten, Kosten und formelle Unterstützung unterscheiden sich stark je nach Ort. Tollwutimpfungen und Nachweise sind für die Gesundheit des Tieres, Bissrisiken und grenzüberschreitende Reisen wichtig.
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