Die frühesten bekannten Siedlungsspuren stammen ungefähr aus der Zeit von 450 v. Chr. bis 850 n. Chr. und umfassen Saladoid-Gemeinschaften. Zwischen etwa 600 und 850 n. Chr. folgten Troumassoid- oder post-Saladoid-Aktivitäten; ab ungefähr 1150 n. Chr. waren Suazoid- und Kalinago-Gemeinschaften präsent. Die Menschen bauten Maniok, Yamswurzeln, Süßkartoffeln und Mais an und ernährten sich auch von Fisch und Schalentieren. Archäologische Zeugnisse umfassen Petroglyphen, Muschelhaufen und Felsbecken an Orten wie Beau Estate, Ravine Chute d’Eau, Stonefield, Anse l’Ivrogne, Fond Gens Libres, Gros Piton Point, La Pointe, Jalousie, Malgretoute und Sauzay. Ältere Darstellungen beschrieben häufig eine einfache Abfolge von Arawak zu Kariben; neuere archäologische Deutungen betonen dagegen Wanderungen, Handel und Austausch in der Karibik. Die Belege rechtfertigen es nicht, die indigene Geschichte als lineare Ablösung eines Volkes durch ein anderes darzustellen. Saint Lucia war unter mehreren Namen bekannt, darunter Iouanalao, Hewanorra und Sancta Lucia. Ein Vatikanischer Globus aus dem Jahr 1502, eine spanische Karte von 1529 mit der Bezeichnung Saint Luzia und eine spanische Cedula von 1511 belegen die frühe europäische Verwendung des Namens Santa oder Sancta Lucia. Die Behauptung, Christoph Kolumbus habe die Insel erreicht, wird in der Darstellung der Regierung von Saint Lucia nicht anerkannt. Eine mit dem 13. Dezember 1502 verbundene Erzählung über ein französisches Schiffswrack ist nicht belegt; auch die Herkunft von Iouanalao und Hewanorra wird unterschiedlich erklärt. Der 13. Dezember wird als Nationalfeiertag begangen. Die europäische Kontrolle wechselte wiederholt. Das Letters Patent von 1627 gewährte dem Earl of Carlisle einen englischen Anspruch. 1660 folgten Vereinbarungen zwischen Frankreich und Großbritannien; die Behauptung von 1663, Barbados habe die Insel erworben, gehört zur Kolonialüberlieferung und ist keine unbestrittene Darstellung der lokalen Geschichte. England zog sich 1666 zurück, Frankreich besetzte die Insel, und von 1718 bis 1763 war die Herrschaft umstritten. Der Pariser Vertrag übertrug Saint Lucia 1763 an Frankreich; Großbritannien eroberte die Insel 1778; der Versailler Vertrag von 1783 gab sie an Frankreich zurück; Großbritannien besetzte sie 1794 erneut; der Vertrag von Amiens von 1802 gab sie an Frankreich zurück; und 1803 übernahm Großbritannien die Kontrolle. Der Pariser Vertrag von 1814 begründete die dauerhafte britische Herrschaft. Französische und britische Institutionen hinterließen ein kombiniertes rechtliches und administratives Erbe. Die Coutume de Paris galt ab 1681, während britisches Recht nach 1814 schrittweise eingeführt wurde. Zwischen 1954 und 1959 wurde das Zivilgesetzbuch gezielt in ein britisches Rechtsformat umgestaltet. Diese gemischte Geschichte erklärt, warum bei der Erforschung der Vergangenheit von Saint Lucia koloniale Aufzeichnungen, französische Rechtsquellen und britische Verwaltungsdokumente gleichermaßen relevant sein können. Die Plantagenwirtschaft war stark von der Zwangsarbeit afrikanischer Menschen abhängig. Zucker wurde zum wichtigsten Anbauprodukt, daneben gab es Kaffee, Bananen, Baumwolle und Nahrungspflanzen. Für Soufriere weisen Aufzeichnungen 1784 30 Plantagen und ungefähr 2.000 versklavte Menschen aus; 1838 waren es 72 Plantagen und 2.664 versklavte Menschen. Diese Zahlen beziehen sich auf den Distrikt Soufriere und dürfen nicht als Gesamtzahlen für die ganze Insel verstanden werden. Versklavte Menschen leisteten durch Flucht, Arbeitsniederlegungen und die Zerstörung von Plantagen Widerstand. In Soufriere kam es am 1. und 23. Juni 1791 zu Aufständen. Die Brigands waren während der Brigand-Kriege von ungefähr 1794 bis 1798 in der Gegend um Fond Gens Libres und Gros Piton aktiv. Die Schlacht von Rabot am 18. April 1795 führte zum Rückzug britischer Truppen in Richtung Vieux Fort. Historische Darstellungen beschreiben diese Ereignisse mitunter als Freiheitskampf und Widerstand oder mit Begriffen der kolonialen Sicherheit und Rebellion; ein Vergleich der Quellen zeigt, wie sich die Deutung je nach Perspektive verändert. Der britische Abolition Act von 1833 führte am 1. August 1838 zur vollständigen Befreiung in Saint Lucia. Durch die lokale Umsetzung wurden 13.285 Menschen aus 384 Plantagen befreit. Im selben Jahr trat Saint Lucia der Generalregierung der Windward-Inseln bei, die zunächst von Barbados aus und ab 1885 von Grenada verwaltet wurde. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich koloniale Räte. George Prevost wurde 1801 der erste zivile Gouverneur; Saint Lucia wurde 1808 Kronkolonie, die Verwaltung 1816 neu organisiert und 1832 wurden Exekutiv- und Legislativräte eingerichtet. Die politische Vertretung wurde im 20. Jahrhundert ausgeweitet. Die Wood-Kommission legte 1922 ihren Bericht vor; am 21. März 1924 folgte ein Letters Patent. Die ersten Wahlen am 9. März 1925 schufen drei gewählte Sitze. Frauen erhielten 1931 das Wahlrecht, 1951 wurde das allgemeine Wahlrecht für Erwachsene eingeführt und 1954 fanden Wahlen auf dieser Grundlage statt. 1956 begann ein Ministerialsystem. Saint Lucia trat 1958 der kurzlebigen Westindischen Föderation bei, erhielt 1960 einen Chief Minister und wurde 1967 assoziierter Staat mit innerer Selbstverwaltung. 1969 wurde das Wahlalter auf 18 Jahre gesenkt; 1974 wurde die Insel in 17 Wahlkreise eingeteilt. Mit der Unabhängigkeit am 22. Februar 1979 entstand ein Verfassungssystem mit Generalgouverneur, Senat und Abgeordnetenhaus. Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte gehören auch die Brände in Castries von 1927 und 1948, der US-Marinestützpunkt in Rodney Bay ab 1940 während des Zweiten Weltkriegs sowie der Walfang auf Pigeon Island von 1909 bis 1952. Regierungsberichte bezeichnen die Bananenindustrie der 1970er- und 1980er-Jahre als größte soziale und wirtschaftliche Umwälzung der Insel. Später führte die Diversifizierung zu einer stärkeren Abhängigkeit von Tourismus, verarbeitendem Gewerbe und Finanzdienstleistungen. Diese Entwicklungen liefern historischen Kontext, beschreiben aber für sich genommen nicht die heutige Wirtschaftslage. Für die historische Forschung in Saint Lucia kommen die National Archives Authority of Saint Lucia, der Saint Lucia National Trust, das Büro des Verwaltungsbereichs Pitons, Regierungsunterlagen, das Ministerium beziehungsweise die Cultural Development Foundation, Bildungseinrichtungen wie das Sir Arthur Lewis Community College sowie britische Archive mit kolonialem Material infrage. Nützliche Methoden sind Archivrecherche, die Erhaltung öffentlicher und privater Aufzeichnungen, Register, Leitfäden, Verzeichnisse, ortsbezogenes Lernen, Kulturerbetouren und sorgfältig durchgeführte mündliche Geschichtsforschung. Mündliche Zeugnisse ergänzen persönliche Erinnerungen, müssen aber mit archäologischen und schriftlichen Belegen verglichen werden. In den verfügbaren Belegen ist weder ein vollständig zuverlässiger zentraler Online-Suchdienst noch ein einheitliches lokales Antragsverfahren dokumentiert. Die National Archives Authority soll öffentliche Archive bewahren, andernorts aufbewahrte Aufzeichnungen aus Saint Lucia erwerben und den Zugang erleichtern. Konkrete örtliche Gebühren, Antragsfristen und Wartezeiten sind nicht verifiziert. Der Saint Lucia National Trust Act von 1975 umfasst prähistorische und historische Gebäude, archäologische Stätten, Objekte, Denkmäler, Aufzeichnungen, Museen und Natur- und Kulturerbe. Pigeon Island wurde 1979 zum Nationalpark und 1992 zum Nationaldenkmal. Morne Fortuné gilt als erste militärische Kulturerbestätte. Der Verwaltungsbereich Pitons wurde 2004 als UNESCO-Welterbestätte anerkannt, vorwiegend aufgrund natürlicher Kriterien; zugleich umfasst er archäologische Zeugnisse, Überreste von Anwesen und militärischen Anlagen sowie eine lebendige Kulturlandschaft. Für Pigeon Island wurden Eintrittspreise von EC$10 für ansässige Erwachsene und EC$4 für ansässige Kinder erfasst; Kinder unter fünf Jahren haben freien Eintritt. Die üblichen Öffnungszeiten sind 9:30 bis 17:00 Uhr, Preise und Öffnungszeiten können sich jedoch ändern. Der Zugang zu anderen Stätten des National Trust hängt vom jeweiligen Ort ab und kann kostenlos sein oder eine Führung umfassen. Zum öffentlichen Gedenken gehören der Nationalfeiertag am 13. Dezember, der Unabhängigkeitstag am 22. Februar und der Emanzipationstag am 1. August. Seit 2021 legt die Regierung mehr Gewicht auf den Emanzipationstag als Bildungs- und Gedenktag. Die öffentliche Erinnerung befasst sich auch mit den Brigand-Kriegen, der afrikanisch-karibischen Geschichte, Wiedergutmachung und der Kweyol-Frage. Historische Aufzeichnungen können vor Entfernung oder Vervielfältigung geschützt sein; Besucher müssen die Regeln der Stätten befolgen und dürfen Kulturerbematerial weder entfernen noch beschädigen. Die fundierteste Darstellung vergleicht in der Regel Archivbelege, archäologische Funde und mündliche Überlieferungen, statt sich auf eine einzelne koloniale Erzählung oder spätere Erinnerung zu stützen.
Geschichte von Saint Lucia
Die Geschichte von Saint Lucia umfasst indigene Besiedlung, europäische Kolonisierung, Plantagensklaverei, Emanzipation, Verfassungsänderungen und Unabhängigkeit. Archäologie, koloniale Aufzeichnungen, Regierungsberichte und mündliche Überlieferungen liefern unterschiedliche Arten von Belegen; einige frühe Ereignisse und Namen sind umstritten. Nach einem langen Übergang zwischen konkurrierender französischer und britischer Herrschaft wurde die Insel am 22. Februar 1979 unabhängig.
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