In São Tomé und Príncipe wird Berufsausbildung häufig mit Begriffen wie formação técnico-profissional, formação profissional und aprendizagem profissional bezeichnet. Das System umfasst formelle schulische Cursos Secundários Profissionalmente Qualificantes (CSPQ), Kurse bei Bildungsträgern und Lernen am Arbeitsplatz. Lei n.º 4/2018 integriert technische und berufliche Ausbildung in das Sistema Nacional de Formação e Aprendizagem Profissional; Decreto-Lei n.º 45/2012 legt den rechtlichen Rahmen für technische und berufliche Ausbildung fest. Formelle CSPQ-Kurse umfassen üblicherweise die Klassen 10 bis 12, dauern drei Jahre und führen sowohl zu einem akademischen als auch zu einem beruflichen Abschluss. Das Centro Politécnico de Formação Profissional Brasil-São Tomé e Príncipe bot technische Kurse in Verwaltung, Computernetzwerken und Elektrotechnik an; spätere Angebote umfassten außerdem Bauwesen, industrielle Instandhaltung, Kfz-Mechanik, Metallbau, Bankwesen, Versicherungen und Informationstechnologie. Im Schuljahr 2020/21 waren 277 Lernende in CSPQ eingeschrieben, darunter 142 weibliche und 135 männliche Lernende. Das Centro de Formação Profissional de São Tomé (CFP-STP), die Escola de Hotelaria e Turismo de São Tomé (EHT-STP) sowie öffentliche, private und durch Geber unterstützte Programme bieten kürzere oder modulare Kurse an. CFP-STP hat seinen Sitz in Budo-Budo und verfügt über Einrichtungen für Elektrizität und Elektronik, Informationstechnologie, Tischlerei und verwandte praktische Ausbildung. Am Standort Água-Izé gibt es Wohnmöglichkeiten. EHT-STP konzentriert sich auf Tourismus und Gastgewerbe, darunter Kochen, Konditorei, Rezeption, Housekeeping, Reiseleitung, Veranstaltungen, Marketing und nachhaltigen Tourismus. Ausbildung kann auch in Bezirken über Bezirksräte oder in der Autonomen Region Príncipe durch die Regionalregierung stattfinden. Das Gesetz erkennt verschiedene Formen an: iniciação, qualificação, aprendizagem, aperfeiçoamento, actualização, reconversão und especialização. Die Erstausbildung umfasst berufliche Einführung, Qualifizierung und Ausbildung. Eine formelle Berufsausbildung verbindet Theorie und praktische Arbeit an einer Bildungseinrichtung mit realer Arbeit in einem Unternehmen. Aprendizagem tradicional findet vollständig an einem realen Arbeitsplatz statt, etwa in einer Werkstatt, und gilt als Vollzeitausbildung mit praktischer Arbeit. Praktisches Lernen ist auf allen Stufen vorgeschrieben und kann am realen Arbeitsplatz oder in einer Simulation stattfinden. Ein Beispiel von CFP im Bereich Krankenhausausrüstung dauert sechs Monate und verbindet Theorie mit Arbeit in realen Einrichtungen. Ausbildungskurse bei CFP dauern häufig neun bis 15 Monate. Técnico Administrativo e Secretariado dauert etwa 18 Monate. EHT-Projekte reichen von drei Monaten bis zu drei Jahren; einige kurze Kurse des Centro Politécnico dauerten historisch etwa drei Monate und integrierte technische Sekundarkurse ungefähr drei Jahre. Modulare Leistungspunkte können gesammelt werden. Ein beruflicher Abschluss kann nach den geltenden Regeln den Zugang zum nächsten Sekundarschulniveau ermöglichen, gewährt aber nicht automatisch Zugang zur Universität oder zu einem Arbeitsplatz. Die Zulassung hängt von Kurs und Anbieter ab. CFP-Ausbildung richtet sich an junge Menschen auf der Suche nach ihrer ersten Stelle und an Arbeitslose; je nach Fachgebiet wird üblicherweise mindestens eine Schulbildung von Klasse 6 bis 8 verlangt. Bewerbende können über SIOP Berufsberatung erhalten und ein Motivations- oder Eignungsgespräch absolvieren. Bei einem Kurs für Elektroinstallationen im Jahr 2025 traten 50 Bewerbende um 18 Plätze an; ausgewählt wurden 16 Personen von São Tomé und 2 von Príncipe. Die Programme richten sich außerdem an Erwachsene, Beschäftigte, Frauen mit Familienpflichten und Menschen ohne formale Qualifikationen. Ein landesweites zentrales Zulassungsportal gibt es nicht. Ausbildung kann vom Ministério do Trabalho, Solidariedade e Segurança Social über die Direcção do Trabalho, Emprego e Formação Profissional und CFP-STP oder vom Ministério da Educação, Cultura e Ciência über die Direcção do Ensino Secundário e Técnico-Profissional und ANAACE verwaltet oder beaufsichtigt werden. Bildungsträger, Arbeitgeber, Staat, Kommunalverwaltungen und Lernende können sich die Kosten teilen. Zulassungsregeln und Gebühren unterscheiden sich deshalb je nach Kurs und Förderprogramm. Die Gebühr eines früheren EHT-Dualkurses richtete sich nach einer nationalen Leitlinie von etwa EUR 16 pro Monat; ein Bericht von 2017 zum Centro Politécnico nannte eine symbolische Gebühr. Landesweit geltende aktuelle Gebühren sind nicht festgelegt. Die CFP-Ausbildung umfasst eine Unfallversicherung und führt zu einem Certificado de Formação Profissional. Ein abgeschlossener Kurs führt im Allgemeinen zu einer Bescheinigung mit Angaben zu Ausbildung, Bildungsträger und gegebenenfalls Qualifikationsniveau oder Berufsprofil. Bis zum 13. Dezember 2024 meldete EHT 1.746 Bescheinigungen aus kurzen und beruflichen Kursen, darunter Kurse des Programa Família zu Unternehmensgründung und Gastronomie. Praktische Ergebnisse können ein Praktikum, Selbstständigkeit oder eine Einstellung durch einen Arbeitgeber sein; die Bildungsträger garantieren jedoch keine Beschäftigung. ACPE, Apoio à Criação do Próprio Emprego, unterstützt einige Wege in die Selbstständigkeit. Berufsausbildung ist auch später im Leben relevant. CFP-STP und EHT beziehen ausdrücklich Erwachsene, Beschäftigte und Arbeitslose ein. Ein Plan für Budo-Budo im Jahr 2025 umfasste 32 Aktivitäten für 576 junge und erwachsene Teilnehmende; ein Brandschutzkurs 2026 umfasste 60 Stunden Ausbildung für 18 Teilnehmende. Tourismus und Gastgewerbe erhalten besondere Aufmerksamkeit, da Tourismus ein vorrangiger Wachstums- und Beschäftigungssektor ist. Industrielle Instandhaltung, erneuerbare Energien und Gastgewerbe wurden ebenfalls durch externe Zusammenarbeit gefördert, darunter 100 berufliche Stipendien in Cabo Verde für 2024–2025. Der Arbeitsmarkt ist klein und fragil; viele junge Menschen sind weder in Beschäftigung noch Bildung oder Ausbildung. Berufsausbildung bietet daher mehrere praktische Einstiegswege. Die passende Option hängt jedoch vom gewünschten Beruf, der bisherigen Schulbildung, Kursdauer, Bescheinigung, dem Ort und davon ab, ob der Kurs einen realen Einsatz bei einem Arbeitgeber umfasst. Ausbildung auf Príncipe kann über die Regionalverwaltung und örtliche Angebote erfolgen; nach den verfügbaren Nachweisen gibt es jedoch kein gesondertes Qualifizierungssystem für Príncipe.
Berufsausbildung in São Tomé und Príncipe
Berufsausbildung in São Tomé und Príncipe verbindet praktische Ausbildung mit technischem oder allgemeinem Lernen für einen bestimmten Beruf. Dazu gehören formelle Kurse, Ausbildung bei Bildungsträgern und Lernen am Arbeitsplatz wie aprendizagem tradicional. Angeboten werden unter anderem Tourismus, Bauwesen, Elektroarbeiten, Fahrzeugwartung, Informationstechnologie, Verwaltung, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung.
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