Immaterielles Kulturerbe (patrimoine culturel immatériel, PCI) in Benin bezeichnet lebendige kulturelle Praktiken und Kenntnisse, die innerhalb von Gemeinschaften weitergegeben werden. Dazu gehören Namensgebungszeremonien, Heirat, Bestattungen, Bezüge zu Vorfahren, Alters- und Geschlechterrollen, Erntefeste, Erzählungen, Sprichwörter, Tanz, Trommeln, Masken, Weben, Färben und Metallverarbeitung. Je nach Praxis bestimmen Familien, Gemeinschaften, Würdenträger, traditionelle Könige und Häuptlinge, Initiierte und Handwerksmeister, wer Wissen weitergibt und an bestimmten Handlungen teilnehmen darf. Die Formen unterscheiden sich stark nach Region und Gemeinschaft. Im Süden und Zentrum zählen Porto-Novo, Ouidah, Abomey, Kétou, Covè, Adjarra, Savè und Dassa zu den relevanten Bezugspunkten. Im Norden sind Nikki, Parakou, Djougou und Natitingou wichtige regionale Zentren. Gèlèdé ist besonders mit Yoruba-Nago-Gemeinschaften in Kétou, Savè und Kilibo verbunden und umfasst geschnitzte Masken, Kostüme, Tanz, Trommeln, Gesang und satirische Darbietungen. Aufführungen finden meist jährlich nach der Ernte statt, können aber auch bei wichtigen Ereignissen, Dürren oder Epidemien stattfinden. Die UNESCO führt Gèlèdé seit 2008 als grenzüberschreitendes Kulturerbe Benins, Nigerias und Togos. Gaani findet jährlich in Nikki statt und bringt Baatonu-, Boo- und Peulh-Gemeinschaften mit königlichem Umzug, heiligen Trommeln, Kayessi, Pferderennen, Kunst, Sport und einem Jahrmarkt zusammen. Termin und Dauer variieren; 2025 dauerte das Fest etwa drei Tage. Das Festival des Masques in Porto-Novo umfasst öffentliche Umzüge, traditionelle Musik, Kunsthandwerk und Maskenformen wie Zangbéto, Egungun, Gèlèdé, Gounouko und Vodun Hounvè; für 2026 waren der 25. und 26. Juli vorgesehen. Die Vodun Days in Ouidah verbinden öffentliche Kultur- und Kunstveranstaltungen im Januar mit rituellem Tanz, Musik und Aufführungen. Religiöse Lehre, Priesterschaft und Initiation gehören zum religiösen Bereich und dürfen nicht allgemein als öffentliche Kulturveranstaltungen behandelt werden. Zur materiellen Kultur zählen handgewebte Kanvô-Textilien, Indigo, Zeremonialstoffe, Applikationsarbeiten aus Abomey, Kleidung der Baatonu oder Bariba im Norden Benins, Holzmasken, Skulpturen, Trommeln, Töpferwaren, Körbe, Matten, Schmuck und Metallarbeiten. Preise und Herstellungszeiten richten sich nach Material, Verarbeitung und Handwerksmeister. Weber, Färber, Schneider, Schnitzer und andere Handwerker arbeiten in Werkstätten, auf Märkten oder im Auftrag. Musik verbindet oft Gesang, Trommel, Tanz und Wechselgesang; königliche Hörner und traditionelle Perkussion ergänzen diese Formen. Kenntnisse entwickeln sich üblicherweise innerhalb von Familie, Ensemble, Gemeinschaft und Meister-Lehrling-Beziehungen. Geburt, Namensgebung, Heirat, Initiation und Bestattung können soziale und familiäre Funktionen haben, ersetzen aber keine amtlichen Personenstandsdokumente. Eine Geburt muss in Benin innerhalb von 30 Tagen und ein Todesfall innerhalb von 10 Tagen gemeldet werden. Eine Zivilehe wird von einem Standesbeamten (officier de l’état civil) geschlossen und sofort registriert; traditionelle oder religiöse Zeremonien können zusätzlich stattfinden. Beiträge, Kleidung, Musik, Essen und Transport verursachen je nach Familie, Gemeinschaft und Anlass unterschiedliche Kosten. Öffentliche Feste und Umzüge sind üblicherweise gemäß den Regeln der Veranstalter zugänglich. Heilige, initiatorische und interne Masken- oder Ahnenbereiche können nur für befugte Personen offen sein. Klären Sie vor einer Teilnahme örtliche Zustimmung, Einschränkungen für Foto und Video, Kleidungsvorgaben, Eintrittsregeln und erlaubte Aufenthaltsbereiche. Für alle Praktiken gibt es weder einen einheitlichen landesweiten Kalender noch einheitliche Gebühren oder Zugangsregeln. Das Ministerium für Kultur, Kunst und Kulturerbe und die Direktion für Kulturerbe tragen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes bei. Je nach Aufgabe übernehmen Gemeinden, traditionelle Häuptlingstümer (Chefferie), Würdenträger, die École du Patrimoine Africain, Bénin Tourisme sowie Kultur- und Handwerksorganisationen weitere Aufgaben. Gesetz 2007-20 regelt Inventarisierung, Einstufung und Schutz von Kulturgütern. Änderungen oder Zerstörung eingestufter Kulturgüter können eine Genehmigung der zuständigen Stelle erfordern. Gesetz 2025-09 erkennt das traditionelle Häuptlingswesen rechtlich an und umfasst 16 Königreiche, 80 höhere Häuptlingstümer und 10 traditionelle Häuptlingstümer. Dies führt nicht automatisch zu einer staatlichen Ernennung; politische Aktivität oder ein politisches Mandat können mit der Funktion unvereinbar sein. Urbanisierung, Migration, formale Schulbildung, Technologie, Globalisierung und Tourismus erschweren die Weitergabe teilweise. Wissen kann dadurch verloren gehen; Aufführungen können kommerzialisiert und folklorisiert werden. Inventarisierung, Jugendarbeit und Bildungsangebote, Workshops mit Meistern, bessere Infrastruktur und Beteiligung der betreffenden Gemeinschaften unterstützen den Fortbestand. Die Bedeutung einer Praxis lässt sich daher nicht allein aus ihrer öffentlichen Präsentation oder touristischen Vermarktung ableiten.
Traditionen in Benin
Zu den Traditionen Benins gehören überlieferte Praktiken, Symbole und Ausdrucksformen aus Festen, Familienleben, Religion, Kleidung, Musik und Handwerk. Sie werden vor allem in Familien, Gemeinschaften, traditionellen Herrschaftsgebieten und Meister-Lehrling-Beziehungen weitergegeben. Öffentliche Veranstaltungen wie Gèlèdé, Gaani, das Festival des Masques und Vodun Days zeigen nur einen Teil dieser regional vielfältigen Kultur. Für heilige, initiatorische und interne Bereiche kann der Zugang beschränkt sein; dort gelten andere Regeln als bei öffentlichen Darbietungen.
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