Der Kunstsektor Burundis ist etabliert, aber organisatorisch fragmentiert. Formale Einrichtungen, nichtformale Bildungsangebote und informelle kulturelle Praktiken bestehen nebeneinander. Das Ministerium für Jugend, Sport und Kultur (Ministère de la Jeunesse, des Sports et de la Culture) befasst sich mit Kulturpolitik, Kirundi, dem materiellen und immateriellen Kulturerbe, künstlerischer Kreativität, Archiven, Leseförderung und kulturellem Austausch. Weitere Anlaufstellen sind die Kulturverwaltung, das Amt für Urheberrecht (OBDA), das Netzwerk der Kultur- und Lesezentren (CEBULAC), das Kulturhaus (Maison de la Culture), das Nationalmuseum von Gitega, das Musée Vivant Bujumbura, die Nationale Kommission Burundis für die UNESCO, die Universität von Burundi, die Kunstschule von Gitega, Kulturvereine und die Burundische Handwerksplattform (Platforme Artisanale du Burundi). Zur bildenden Kunst und zum Handwerk gehören unter anderem Webarbeiten, Papyrusmalereien, Gemälde, Skulpturen, Masken, Schilde, Schmuck, Keramik sowie Arbeiten aus Metall und Holz. Außerdem werden Perlenarbeiten und Naturfarbstoffe verwendet. Die Burundische Handwerksplattform ordnet Dekorationsgegenstände, Holzschnitzerei und Kunstmalerei dem Handwerk zu und verfolgt Absatzmöglichkeiten auf dem inländischen und ausländischen Markt. Das Nationalmuseum von Gitega zeigt 416 Objekte und 96 Fotografien; weitere 800 Objekte befinden sich im Depot. Freiluftausstellungen sind ebenfalls Wetter- und Beschädigungsrisiken ausgesetzt. Die OBDA-Statistik für 2023 weist zwölf geschützte Werke der bildenden Kunst und einen gemeldeten bildenden Künstler aus. Diese gemeldeten Zahlen sind kein verlässliches Maß für den Kunstsektor insgesamt. Musik und darstellende Künste haben in Burundi eine besonders hohe kulturelle Bedeutung. Seit 2014 führt die UNESCO den Ritualtanz der königlichen Trommel in ihrer Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Die Aufführung verbindet synchronisiertes Trommeln, Tanz, Heldenpoesie und traditionelle Lieder. Gishora bei Gitega gilt als wichtiger Ort dieser Praxis; königliche Trommler (Batimbo) führen sie auf und geben Wissen weiter, auch durch Kunst- und Trommelunterricht. Kulturvereine bieten traditionelle Tänze an. Von 2020 bis 2023 nahmen jedes Jahr 270 Personen am Nationalen Trommelfestival teil, darunter 15 aus jeder Provinz. Beim Nationalen Kulturfestival wurden 2023 insgesamt 349 Teilnehmende erfasst, davon 216 Männer und 133 Frauen. Für 2023 sind zwei nationale Festivals, aber kein regionales EAC-Festival in Burundi dokumentiert. Die ostafrikanische Kulturplattform (JAMAFEST) findet alle zwei Jahre statt, wurde 2022 in Burundi veranstaltet und ist für 2026 in Nairobi vorgesehen. Literatur besteht neben gedruckten Werken und ist stark in mündlichen Traditionen verwurzelt. Sprichwörter, Erzählungen, Geschichten sowie elegische und pastorale Dichtung gehören zu den überlieferten Formen. Ein UNESCO-Inventar verzeichnet 222 Elemente des immateriellen Kulturerbes. Bestimmte traditionelle Formen von Musik und Dichtung sind gefährdet, weil ihre Wissensträger besonders verletzlich oder nicht mehr vorhanden sind. Das Zentrennetz umfasste 2023 56 Zentren, 25.070 Abonnenten und 1.109.859 Besuche. Die Universität von Burundi bietet mit dem Rumuri-Literaturpreis eine Plattform für kreatives Schreiben. Ihre FASS-Fakultät verfügt über drei Literaturabteilungen; diese arbeiten derzeit auf Französisch und Englisch, während Kirundi als geplante Erweiterung genannt wird. 2023 wurden von der OBDA 29 literarische Werke geschützt. Der audiovisuelle Sektor umfasst Film und andere audiovisuelle Produktionen. Das Filmfestival (FESTICAB) besteht seit 2009, wurde von Fachleuten der Branche gegründet und fördert die Produktion und den Vertrieb burundischer, regionaler und internationaler Produktionen. 2023 wurden 22 Kinos erfasst. Die OBDA registrierte 55 geschützte audiovisuelle Werke und drei gemeldete audiovisuelle Künstler. Diese Zahlen zeigen, dass eine Branche besteht, aber auch, dass Produktions- und Vertriebskapazitäten fragmentiert sind. Architektur und Design sind in den Regionen unterschiedlich stark sichtbar und eng mit handwerklichem Wissen verbunden. Die Universität von Burundi bietet über die Abteilung für Architektur und Stadtplanung unter anderem die Studienoption Raumplanung und Städtebau (Aménagement et Urbanisme) an. Das Programm umfasst sechs Semester Theorie und Praxis sowie ein Semester praktischer Ausbildung, mit 180 Studienkrediten und 30 Krediten für die praktische Ausbildung. Je nach den Vorschriften für die Hochschulbildung können Absolventinnen und Absolventen anschließend in den Beruf einsteigen oder ein Masterstudium aufnehmen. Die Königliche Residenz von Gishora steht 2026 auf der Vorschlagsliste der UNESCO, ist aber nicht als Welterbestätte eingetragen. Fotografische Werke und digitale Kunst sind grundsätzlich urheberrechtlich geschützt. Das burundische Urheberrecht erfasst auch audiovisuelle Werke, maschinenlesbare Zusammenstellungen und Computerprogramme. Die geprüfte OBDA-Statistik enthält jedoch keine gesonderte Kategorie für Fotografie oder digitale Kunst und kein dokumentiertes nationales Spezialprogramm. Aussagekräftige aktuelle Daten zu Galerien, Auktionen, Preisen und einer unabhängigen Förderstruktur fehlen. Praktische Zugangswege hängen von der Kunstform ab und können die Registrierung eines Werkes bei der OBDA, Bewerbungen für oder die Teilnahme an Programmen der Kulturverwaltung und an Festivals, die Kunstschule von Gitega, das Zentrennetz, Kulturvereine, ein Studium an der Universität von Burundi, das praktische Arbeiten in Gishora oder Filmangebote über FESTICAB umfassen. 2023 meldete die OBDA 54 männliche und eine weibliche Musikerin beziehungsweise einen weiblichen Musiker, einen bildenden Künstler und drei audiovisuelle Künstler. Gemeldete Autorinnen, Autoren und Kunstschaffende dürfen nicht mit der Gesamtzahl der Kulturschaffenden gleichgesetzt werden. Nach den Angaben der Website erfordert ein Besuch in Gishora eine Voranmeldung von mindestens 24 bis 48 Stunden. Einheitliche nationale Zugangsvoraussetzungen, Auswahlkriterien und Preise sind nicht dokumentiert. Das Urheberrecht beruht auf dem Gesetz Nr. 1/021 vom 30. Dezember 2005. Originale literarische und künstlerische Werke erhalten Schutz ohne vorherige Formalitäten; dazu gehören Bücher, Musik, Choreografien, audiovisuelle Werke, Architektur, Fotografie, angewandte Kunst und vom Folklore abgeleitete Werke. Die Urheberin oder der Urheber ist zunächst Rechteinhaber. Übertragungen von Rechten sollten schriftlich erfolgen. Ausübende Künstler benötigen eine angemessene Zustimmung für die Ausstrahlung, Aufnahme, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung ihrer Darbietungen. Veranstalter sollten das genaue Programm melden, Nachweise aufbewahren, Vergütung zahlen und die Urheberpersönlichkeitsrechte sowie die geistigen Rechte achten. Die Schutzdauer beträgt grundsätzlich die Lebenszeit der Urheberin oder des Urhebers plus 50 Jahre; angewandte Kunst ist 25 Jahre geschützt. Der Staat hat unbefristete Rechte am Folklore. Für Veröffentlichungen in der Originalsprache sieht die recherchierte Regel eine Vergütung von mindestens zehn Prozent des Verkaufspreises vor. Nationale Standardsätze für Kunstschaffende, Festivals und Veranstaltungsorte, OBDA-Gebühren und Förderbeträge wurden in den geprüften offiziellen Quellen nicht veröffentlicht. Die Kosten hängen daher von der Einrichtung, der Veranstaltung und dem Vertrag ab. Bei Buchveröffentlichungen legen Verträge unter anderem Auflage, Laufzeit und Vergütung fest. Die Architekturausbildung an der Universität von Burundi dauert sieben Semester einschließlich praktischer Ausbildung. Das Zentrennetz arbeitet fortlaufend, das Nationale Trommelfestival ist jährlich dokumentiert und JAMAFEST findet alle zwei Jahre statt. Offizielle Statistiken erfassen hauptsächlich registrierte Werke, gemeldete Kunstschaffende, Infrastruktur und Nutzung. Sie messen weder das gesamte Marktvolumen noch die wirtschaftliche Lage aller Kulturschaffenden. Zu den wesentlichen Risiken gehören der Verlust von Wissensträgern traditioneller Musik und Dichtung, die Erhaltung von Museumssammlungen sowie die begrenzte Datenlage zu Fotografie, digitaler Kunst, Galerien, Auktionen, Preisen und nationaler Förderung.
Kunst in Burundi
Kunst in Burundi umfasst bildende Kunst, Musik, Literatur, Film, darstellende Künste, Architektur, Design und digitale Formen. Besonders einflussreich sind traditionelle Trommelkunst, darstellende Künste, mündliche Literatur und Handwerk. Staatliche Einrichtungen, Schulen, Kulturvereine und informelle Gruppen arbeiten parallel, während es keinen einheitlichen Künstlerstatus sowie keine landesweit einheitliche Markt- und Förderstruktur gibt.
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