Der Nationaldienst ist das staatliche Dienstsystem für eritreische Staatsangehörige zwischen 18 und 40 Jahren. Er beeinflusst den Zugang zu Beschäftigung in Eritrea stark. Der Staat ist der größte Arbeitgeber. Zuweisungen können Bürgerinnen und Bürger militärischen oder zivilen Tätigkeiten zuordnen, darunter öffentliche Verwaltung, Schulen, Gesundheitsdienste, Bau, Landwirtschaft und Staatsunternehmen. Einsatzort und Tätigkeit können im Allgemeinen nicht frei gewählt werden. Entlassungs- oder Befreiungsdokumente sind für formelle Beschäftigung, Ausweispapiere, Bildungsnachweise und die rechtmäßige Ausreise aus Eritrea praktisch bedeutsam. Das Vermeiden oder Verlassen des Nationaldienstes kann zu Inhaftierung und weiterer Repression führen. Das Gesetz sieht einen Dienst von 18 Monaten vor; in der Praxis dauert er jedoch oft deutlich länger. Die Arbeitsproklamation Eritreas Nr. 118/2001 gilt hauptsächlich für private und staatliche gewinnorientierte Unternehmen. Ausgenommen sind der eritreische Staatsdienst, Richter und Staatsanwälte, höhere Führungspositionen sowie Militär, Polizei und Sicherheitsdienste. Arbeitssuchende können sich an die Arbeitsvermittlungseinheit des Ministeriums für Arbeit und Soziales, eine private Arbeitsvermittlung oder direkt an einen Arbeitgeber wenden. Aktuelle amtliche Gebührenverzeichnisse für Arbeitsvermittlungsdienste sind nicht zuverlässig veröffentlicht. Nicht-Staatsangehörige benötigen eine gültige Arbeitserlaubnis, die die zulässige Tätigkeit, Dauer und weitere Bedingungen angibt. Das Ministerium kann die Erlaubnis beschränken, aufheben, widerrufen oder verlängern. Bei Einstellungen haben einheimische Arbeitskräfte Vorrang; ausländische Fachkräfte werden hauptsächlich eingesetzt, wenn passende Fachkenntnisse vor Ort fehlen. Arbeitsverträge können schriftlich oder mündlich geschlossen werden. Sie sollten Dauer, Anfangsdatum, Tätigkeit, Arbeitsort, Lohn, Zahlungsmethode sowie Rechte und Pflichten der Parteien festlegen. Weniger günstige Vertragsklauseln sind unwirksam. Möglich sind unbefristete und befristete Verträge, Stücklohnverträge und Verträge für gelegentliche Arbeit. Fortlaufende Arbeit auf Grundlage eines befristeten Vertrags wird im Allgemeinen zu einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis. Die Probezeit kann höchstens 90 Tage dauern. Wird eine beschäftigte Person während der Probezeit als ungeeignet eingestuft, kann sie ohne Kündigungsfrist oder Abfindung entlassen werden. Ausbildungsverträge sollten schriftlich geschlossen werden und Ausbildung, Dauer und Taschengeld festlegen. Auszubildende sollten nicht allein unter gefährlichen Bedingungen arbeiten. Für erfasste Beschäftigung gelten normalerweise Höchstgrenzen von acht Stunden pro Tag und 48 Stunden pro Woche. Eine Schicht darf acht Stunden nicht überschreiten. Mehr als zwei Überstunden erfordern im Allgemeinen die Zustimmung der beschäftigten Person; Ausnahmen gelten unter anderem bei Unfällen, dringender Arbeit, höherer Gewalt oder der Vertretung einer abwesenden Person. Überstunden werden von 06:00 bis 22:00 Uhr mit dem 1,25-Fachen des normalen Satzes vergütet, von 22:00 bis 06:00 Uhr mit dem 1,5-Fachen, am wöchentlichen Ruhetag mit dem Doppelten und an einem Feiertag mit dem 2,5-Fachen des normalen Satzes. Beschäftigte erhalten innerhalb jedes Siebentagezeitraums mindestens 24 Stunden wöchentliche Ruhezeit; Feiertage sind bezahlt. Der Jahresurlaub beträgt im ersten Jahr mindestens 14 Arbeitstage und steigt für jedes weitere Jahr um einen Tag bis auf höchstens 35 Arbeitstage. Nicht genutzter Urlaub wird bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt. Nach der Probezeit kann Krankheitsurlaub innerhalb von zwölf Monaten bis zu sechs Monate dauern: Der erste Monat wird zu 100 Prozent bezahlt, der zweite zu 50 Prozent und der dritte ist unbezahlt. Mutterschaftsurlaub umfasst 60 aufeinanderfolgende bezahlte Tage ab dem Tag nach der Geburt und kann aufgeteilt werden. Während der Schwangerschaft sind Arbeit zwischen 22:00 und 06:00 Uhr sowie Überstunden verboten. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder einer Behinderung ist gesetzlich verboten. Arbeitgeber müssen Schutzausrüstung, Sicherheitsunterweisungen und Schutzmaßnahmen bereitstellen. Die Haftung des Arbeitgebers für einen Arbeitsunfall besteht unabhängig von einem Verschulden. Versicherungspflichten gelten unter anderem in Bergbau, Steinbruch, Schwertransport, Bau und bei Arbeiten mit Sprengstoffen. Beschäftigte müssen ihren Vertrag und die betrieblichen Regeln befolgen, rechtmäßige Anweisungen einhalten, Werkzeuge sorgfältig benutzen und Sicherheitsverfahren beachten. Arbeitgeber müssen die Würde der Beschäftigten achten, Werkzeuge und Materialien bereitstellen, Gesundheit und Sicherheit schützen, Kosten für medizinische Untersuchungen tragen und innerhalb von 30 Arbeitstagen eine Meldung über neu eingestellte Beschäftigte einreichen. Das Gesetz sieht Arbeitnehmervereinigungen und Tarifverhandlungen vor; die Registrierung erfolgt beim Ministerium. Die Registrierung muss innerhalb eines Monats erfolgen, sonst kann die Vereinigung als registriert gelten. Die Nationale Konföderation eritreischer Arbeitnehmer, üblicherweise NCEW genannt, gilt Berichten zufolge als einzige legale Gewerkschaft. Die praktische Reichweite kollektiver Vertretung ist begrenzt, weil viele Beschäftigungsverhältnisse mit dem Nationaldienst verbunden sind. Streiks sind nur bei einem Arbeitskonflikt zulässig und in systemrelevanten Diensten, während Schlichtung oder Schiedsverfahren laufen sowie während bestimmter Wartefristen eingeschränkt; eine Ankündigungsfrist von fünf Tagen ist erforderlich. Ein Arbeitskonflikt beginnt gewöhnlich mit einer Schlichtung am Arbeitsplatz. Er kann anschließend an die Schlichtungsstelle des Ministeriums für Arbeit und Soziales und danach an ein Schiedsverfahren oder den Arbeitsbeziehungsrat gehen. Der Oberste Gerichtshof befasst sich im Allgemeinen mit Rechtsfragen, statt den Konflikt erneut zu verhandeln. Arbeitsrechtliche Ansprüche verjähren nach einem Jahr; für Beschäftigtenansprüche fallen keine Gerichtsgebühren an. Ein Beschäftigungsverhältnis kann durch Tod, Vertragsablauf, Kündigung, Fehlverhalten, längere Abwesenheit und andere anerkannte Gründe enden. Die Kündigungsfrist beträgt im Allgemeinen sieben Tage bei weniger als einem Jahr Beschäftigung, 14 Tage bei ein bis zwei Jahren, 21 Tage bei mehr als zwei bis fünf Jahren und 30 Tage nach mehr als fünf Jahren. Eine Zahlung anstelle der Kündigungsfrist ist möglich. Eine ungerechtfertigte Kündigung kann eine Entschädigung von bis zu sechs Monatslöhnen nach sich ziehen. Abfindung wird davon getrennt berechnet: zwei Wochenlöhne pro Jahr für die ersten fünf Jahre, drei Wochen pro Jahr vom sechsten bis zum zehnten Jahr und vier Wochen pro Jahr ab dem elften Jahr. Bei weniger als einem Jahr Beschäftigung werden anteilig zwei Wochenlöhne gezahlt. Für umfangreiche betriebsbedingte Entlassungen ist kein verlässliches amtliches Sicherheitsnetz dokumentiert. Informelle Arbeit ist weit verbreitet. Verfügbare, vom US-Außenministerium zitierte Untersuchungen schätzen, dass etwa 80 Prozent der Bevölkerung informell arbeiten. Arbeitsrechtliche Regeln werden in diesem Bereich nur schwach durchgesetzt; Hausarbeit ist nicht in gleicher Weise geregelt. Berichten zufolge liegen die Löhne in staatlichen und parteieigenen Unternehmen unter der Armutsgrenze. Die Vergütung im Nationaldienst ist sehr niedrig und kann statt eines gewöhnlichen Lohns Lebensmittel- oder andere Sachrationen umfassen. Für den privaten Sektor gibt es keinen zuverlässig belegten landesweiten Mindestlohn. Diese Bedingungen und die begrenzten Arbeitsmarktdaten machen einen schriftlichen Vertrag, Zahlungsbelege, Arbeitserlaubnisunterlagen sowie Entlassungs- oder Befreiungsdokumente besonders wertvoll.
Beschäftigung in Eritrea
Beschäftigung in Eritrea umfasst Arbeit im Staatssektor, in der Privatwirtschaft und im informellen Bereich. Der Nationaldienst beeinflusst den Zugang zu formellen Stellen. Das eritreische Arbeitsrecht legt grundlegende Regeln für erfasste Beschäftigungsverhältnisse fest. Nicht-Staatsangehörige benötigen eine Arbeitserlaubnis.
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