Haiti hatte 2025 etwa 4,5 Millionen Erwerbstätige. Detaillierte aktuelle Zahlen sind jedoch begrenzt, denn die jüngste in der ILOSTAT-Datenbank verwendete Haushaltserhebung stammt aus dem Jahr 2012. Landwirtschaft, Selbstständigkeit, Haushaltsarbeit und Tagelohnarbeit sind weit verbreitet. Formelle Beschäftigung bietet klarere Verträge, Lohnregeln und Zugang zu sozialer Absicherung; Reichweite und Durchsetzung sind jedoch uneinheitlich. Das Ministère des Affaires Sociales et du Travail (MAST) beaufsichtigt das Beschäftigungssystem. Die Direction de la Main-d’œuvre (DMO) erfasst Qualifikationen, bietet Berufsberatung und unterstützt die Vermittlung. Der Service Public de l’Emploi (SPE) stellt eine digitale Plattform bereit, auf der Arbeitsuchende und Arbeitgeber Stellen ansehen, filtern und Profile nutzen können. Die Unterstützung der DMO kann einen persönlichen Besuch, Fragebogen, die Einreichung einer Akte, Tests, ein Gespräch und Nachbetreuung umfassen. Die Vermittlung von Arbeitskräften ist nach dem Code du travail kostenlos; private Vermittlungsagenturen benötigen eine DMO-Lizenz. Der SPE veröffentlicht keine allgemeine Gebühr für seine Dienste. Haitianische Arbeitskräfte erhalten ihr livret de travail im Allgemeinen über die DMO. Arbeitsverträge können schriftlich oder mündlich, ausdrücklich oder stillschweigend sowie befristet oder unbefristet sein. Im öffentlichen Dienst sind ein concours, eine Einstellung ohne concours oder ein Vertrag üblich. Eine einheitliche Bewerbungsfrist gibt es in Haiti nicht; Arbeitgeber, Stelle und Einrichtung bestimmen den praktischen Zeitplan. Ausländische Arbeitskräfte benötigen im Allgemeinen eine permis de travail oder permis d’emploi, ausgestellt über die DMO. Übliche Unterlagen sind Reisepass, Aufenthaltstitel, drei Fotos, ein polizeiliches Führungszeugnis, ein DMO-Nachweis oder ein bestätigter Vertrag sowie Qualifikationsnachweise. Eine Genehmigung gilt bis zu einem Jahr und kann für insgesamt höchstens fünf Jahre verlängert werden. Eine permis de travail kostet 1.000 HTG; eine permis d’emploi kostet die Hälfte des vereinbarten Monatslohns. Der gesetzliche Mindestlohn hängt vom Sektor ab. Eine Regierungserklärung von 2026 setzte für Unterauftragsarbeit und die Exportfertigung mindestens 1.000 HTG pro Tag fest. Eine vollständige, verlässliche Lohntabelle für 2026 liegt hier nicht vor; ältere Sätze sollten daher nicht automatisch angewendet werden. Arbeitgeber zahlen manuelle Arbeitskräfte im Allgemeinen innerhalb von 15 Tagen und geistig Beschäftigte innerhalb eines Monats. Informelle Beschäftigung hat oft keinen schriftlichen Vertrag und keine regelmäßige soziale Absicherung. Die normale Arbeitszeit beträgt nach dem Code du travail im Allgemeinen acht Stunden pro Tag und 48 Stunden pro Woche. Das Gesetz über drei Schichten von 2017 erlaubt einen durchgehenden 24-Stunden-Betrieb in drei Acht-Stunden-Schichten. Nachtarbeit zwischen 18 und 6 Uhr löst im Allgemeinen einen Zuschlag von mindestens 50 Prozent aus; für Export- und Schichtbetriebe gelten Sonderregeln. Arbeitgeber müssen pünktlich zahlen, sichere und hygienische Arbeitsmittel bereitstellen und Beschäftigte respektvoll behandeln. Beschäftigte müssen den Vertrag einhalten, sorgfältig arbeiten, rechtmäßige Weisungen befolgen und vertrauliche Informationen schützen. Wer ein Jahr beschäftigt war, hat als dauerhafte Arbeitskraft Anspruch auf mindestens 15 bezahlte Urlaubstage. Ein ärztlich bescheinigter Krankheitsfall kann bis zu 15 bezahlte Tage pro Jahr umfassen; bei weniger als einem Jahr Beschäftigung wird der Anspruch anteilig berechnet. Der Code du travail sieht für bei OFATMA Versicherte zwölf Wochen Mutterschutz vor; während einer Übergangsregel zahlt der Arbeitgeber sechs Wochen. Schwangerschaft und Stillzeit sind am Arbeitsplatz geschützt. OFATMA deckt Arbeitsunfälle, Krankheit und Mutterschaft ab, auch für Hausangestellte. Privat Beschäftigte sind im Allgemeinen bei ONA versichert: Beschäftigte zahlen sechs Prozent und Arbeitgeber weitere sechs Prozent des Lohns, zusammen zwölf Prozent. Die freiwillige Absicherung nutzt einen Beitragssatz von zwölf Prozent. In der tatsächlichen Abdeckung bestehen große Lücken. Beschäftigte haben Vereinigungsfreiheit, Rechte auf Tarifverhandlungen und Anspruch auf gleichen Lohn; diese Rechte erreichen die Menschen wegen der Dominanz informeller Arbeit jedoch unterschiedlich. Beschäftigung endet durch Ablauf eines befristeten Vertrags, Vereinbarung oder einseitige Kündigung. Nach mindestens drei Monaten Beschäftigung beträgt die Kündigungsfrist im Allgemeinen 15 Tage bei drei Monaten bis drei Jahren, einen Monat bei einem bis drei Jahren, zwei Monate bei drei bis sechs Jahren, drei Monate bei sechs bis zehn Jahren und vier Monate nach zehn Jahren. Bei sofortiger Beendigung kann eine Zahlung anstelle der Kündigungsfrist erforderlich sein. Eine rechtswidrige oder missbräuchliche Beendigung kann nachgewiesenen Schadenersatz bis zu zwölf Monatslöhnen auslösen. Beschäftigte können sich zunächst an die Direction du Travail, danach an die Inspection générale du travail, eine Schlichtungs- oder Schiedsinstanz und schließlich das Tribunal du travail wenden. Der Arbeitgeber muss am Ende kostenlos ein Arbeitszeugnis ausstellen. Für Haiti ist innerhalb dieses Beschäftigungsbereichs keine allgemeine Arbeitslosenleistung oder gleichwertige Arbeitslosenversicherung belegt. Nach dem Ende eines Jobs kommen die Stellensuche über SPE, die Registrierung bei der DMO, eine Prüfung von ONA- und OFATMA-Leistungen sowie eine andere formelle oder informelle Einkommensquelle infrage.
Beschäftigung in Haiti
Abhängige bezahlte Beschäftigung ist Arbeit, die unter der Weisung eines Arbeitgebers gegen Lohn ausgeführt wird. In Haiti gibt es formelle Stellen im öffentlichen Dienst, bei NGOs, in der Textil- und Exportwirtschaft, im Handel und im Dienstleistungsbereich; die meisten Tätigkeiten sind jedoch informell. Für 2025 wurde die informelle Wirtschaft auf rund 91 Prozent geschätzt; Lohnbeschäftigung machte etwa ein Fünftel aller Arbeitsplätze aus.
VivAVia kann Fehler machen. Überprüfe wichtige Informationen.

