Die Verfassungsordnung Haitis beruht auf der Verfassung vom 29. März 1987 in der 2012 geänderten Fassung. Das Land ist eine Einheitsrepublik: Nationale Institutionen legen den wichtigsten Rechtsrahmen fest, während Gebietskörperschaften lokale Aufgaben wahrnehmen. Kreyòl und Französisch sind Amtssprachen. Die Verfassung anerkennt Grundrechte, Bürgerpflichten und Rechtsstaatlichkeit. Der praktische Zugang zu Institutionen und Rechtsbehelfen ist jedoch häufig durch Unsicherheit, schwache Infrastruktur, Personalmangel und Verzögerungen eingeschränkt. Die Exekutive wird vom Premierminister als Regierungschef geleitet. Der Conseil des ministres, also der Ministerrat, bestimmt die Regierungspolitik und leitet über die Primature und Fachministerien die Zentralverwaltung. Zu den einschlägigen Ministerien gehören das Ministerium für Inneres und Gebietskörperschaften (MICT), das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen (MEF), das Ministerium für Justiz und öffentliche Sicherheit (MJSP), das Verteidigungsministerium (MD) sowie das Gesundheitsministerium (MSPP) und weitere Fachministerien. Der Conseil Présidentiel de Transition beendete sein Mandat am 7. Februar 2026. Danach wurde die Exekutivgewalt durch den Conseil des ministres unter Premierminister Alix Didier Fils-Aimé fortgeführt, während Haiti auf einen gewählten Präsidenten wartete. Die verfassungsmäßige Legislative ist ein Zweikammersystem aus Sénat und Chambre des Députés. Seit 2020 hat Haiti kein regelmäßig arbeitsfähiges Parlament; dadurch wurden Gesetzgebung und demokratische Kontrolle stark eingeschränkt. Der Conseil Électoral Provisoire (CEP) kann für einen künftigen institutionellen und Wahlübergang relevant sein, ist aber kein allgemeiner Regierungszweig. Wahlen gehören zu einem eigenen Themenbereich. Die territoriale Gliederung Haitis umfasst 10 Départements, Arrondissements, Communes und Sections communales. Ein Arrondissement ist eine Verwaltungseinheit; Section communale, Commune und Département sind Gebietskörperschaften mit verfassungsmäßigen Zuständigkeiten. Gemeinde- und Départementsräte werden formell gewählt und haben Verwaltungs- und Finanzautonomie. Das MICT koordiniert die Gebietsverwaltung. IHSI führt amtliche Codes und Verzeichnisse für Départements, Arrondissements, Communes, Quartiers und Sections communales. Eine eigene verfassungsmäßige Stadt- oder Provinzebene gibt es nicht. Der Großraum Port-au-Prince hat dennoch überproportionale politische und administrative Bedeutung. Die Bevölkerung erreicht die öffentliche Verwaltung üblicherweise über Ministerien, die Primature, Mairies, Gemeinderäte, CASEC-Stellen und Départementsdienste. CASEC bezeichnet den Verwaltungsrat einer Section communale. Die zuständige Stelle, Öffnungszeiten, Unterlagen, Gebühren und Bearbeitungsdauer hängen vom jeweiligen Dienst ab. Digitale Portale wie servicespublics.gouv.ht können den persönlichen Zugang ergänzen. Amtliche Mitteilungen der Regierung erscheinen auch über Ministerien, die Primature und Le Moniteur. Persönlicher Zugang kann sich aufgrund von Gewalt, Vertreibung, beschädigter Infrastruktur oder fehlendem Personal schnell ändern. Das MEF führt die Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die DGI verwaltet Steuern, die AGD den Zoll. Im Haushaltsjahr 2025 betrugen die inländischen Einnahmen 4,8 % des Bruttoinlandsprodukts; die Gesamteinnahmen einschließlich Zuschüssen beliefen sich auf 6,0 %, die Ausgaben auf 6,2 %, der Primärsaldo war mit 0,1 % positiv, die Investitionsausgaben betrugen 1,9 %, die gesamte Haushaltsausführung 75,5 % und die Ausführung des Investitionshaushalts 42,2 %. Niedrige Einnahmen, die Abhängigkeit vom Zoll und eine schwache Haushaltsausführung begrenzen die staatliche Fähigkeit, Dienstleistungen bereitzustellen. Unsicherheit und Verwaltungsschwächen belasteten die Finanzoperationen auch im Haushaltsjahr 2026 weiter. Die Cour supérieure des comptes et du contentieux administratif (CSCCA) prüft unabhängig die öffentlichen Finanzen und entscheidet über Verwaltungs- und Finanzstreitigkeiten. Sie überprüft öffentliche Rechnungsabschlüsse, Verwaltungsakte und Finanzverträge und gibt Stellungnahmen zum Haushalt ab. Die Unité de lutte contre la corruption (ULCC) ist eine autonome Verwaltungsstelle unter dem MEF, die Korruption vorbeugt und untersucht und Fälle weiterleiten kann. Der Conseil supérieur du pouvoir judiciaire (CSPJ) beaufsichtigt Justizverwaltung, richterliche Unabhängigkeit, Integrität und Transparenz. Die Cour de Cassation ist das höchste Gericht; die CSCCA behandelt Verwaltungs- und Finanzstreitigkeiten. Der Zugang zu Gerichten bleibt wegen Unsicherheit, begrenzter Ressourcen, Verzögerungen und ungleichmäßiger Präsenz im Land eingeschränkt. Das MJSP und die Police nationale d'Haïti (PNH) bilden die wichtigsten Institutionen der inneren Sicherheit. Die Forces armées d'Haïti (FAd'H) sind die Streitkräfte, und die Force de répression des gangs (FRG) unterstützt die Maßnahmen gegen bewaffnete Banden. Die PNH verfügt effektiv über etwa 9.000 bis 10.000 Beamte für eine Bevölkerung von mehr als 11 Millionen. Bewaffnete Banden kontrollieren oder umkämpfen große Gebiete von Port-au-Prince, Artibonite und anderen Regionen. Die wirksame Präsenz des Staates im Sicherheitsbereich ist deshalb oft begrenzt oder zeitweise unterbrochen. Private Sicherheitsunternehmen, Bürgerwehren, das Integrierte Büro der Vereinten Nationen in Haiti (BINUH) und internationale Kräfte können Unterstützung leisten, ersetzen aber keine haitianischen staatlichen Institutionen. BINUH registrierte zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2026 1.408 Todesfälle und 656 Verletzte. Bei einem Angriff in Kenscoff am 23. und 24. August 2026 starben mindestens 47 Menschen. Sicherheitsoperationen allein können keine wirksame staatliche Autorität wiederherstellen: Auch funktionierende Justiz, Schulen, Gesundheitsdienste, Lebensgrundlagen und lokale Verwaltung beeinflussen, ob die öffentliche Gewalt im Alltag wirkt. Fehlende regelmäßige Wahlen, Korruptionsvorwürfe, schlechte Dienstleistungen und Gewalt schwächen das Vertrauen der Öffentlichkeit. Die formellen Verfassungsinstitutionen bestehen daher, doch ihre praktische Reichweite und Verlässlichkeit unterscheiden sich in Haiti erheblich.
Der Staat in Haiti
Haiti ist eine Einheitsrepublik. Die Verfassung weist die Souveränität den Bürgern zu und teilt die Staatsgewalt in Exekutive, Legislative und Judikative. Der Staat arbeitet über nationale Institutionen, Départements, Kommunen und Gemeindesektionen; öffentliche Dienstleistungen und Sicherheit unterscheiden sich jedoch stark nach Gebiet. 2026 steht Haiti weiterhin unter einer Übergangsexekutive: Der Conseil Présidentiel de Transition beendete sein Mandat am 7. Februar 2026, und das Präsidentenamt blieb unbesetzt.
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