Etwa die Hälfte der Bevölkerung des Jemen ist mindestens einem erheblichen klimabedingten Risiko ausgesetzt. Sturzfluten und Überschwemmungen in Wadis sind besonders in der Umgebung von Ma'rib, Dhamar, in östlichen Binnengebieten und in allen Küstengouvernements relevant. Tropische Wirbelstürme und starke Winde betreffen östliche Binnengebiete und Sokotra. Dürren, Wasserknappheit, Erdrutsche, Hitze und Küstenüberschwemmungen stellen zusätzliche Risiken dar. Konflikt, explosive Kriegsreste, Kriminalität und Krankheitsausbrüche können den Zugang und die Folgen einer Katastrophe verschärfen, sind aber eigenständige Hauptthemen. Im Jemen gibt es kein dokumentiertes, einheitliches und landesweit abgestimmtes Katastrophenschutzsystem. Staatliche Stellen, lokale Autoritäten, humanitäre Organisationen und Gemeinden arbeiten mit unterschiedlichen Strukturen. Die Zivilschutzbehörde, das Nationale Zentrum für Meteorologie und Frühwarnung, die Zivilluftfahrt- und Meteorologiebehörde (CAMA), der Jemenitische Wetterdienst und das Ministerium für Wasser und Umwelt haben unterschiedliche Aufgaben. Auch der Jemenitische Rote Halbmond (YRCS), der Schnellreaktionsmechanismus (RRM), die Internationale Organisation für Migration (IOM), das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation unterstützen Warnung, Lagebewertung, Evakuierung, Unterkunft, Wasser, Sanitärversorgung, Gesundheit und Schutz. CAMA warnt vor Überschwemmungen, Tiefdruckgebieten, Stürmen, tropischen Wirbelstürmen, Gewittern, Staub, starken Winden, Kälte und Hitze. Der Zivilschutz rät davon ab, während und nach Regen Flutkanäle, Wadis oder Schluchten zu betreten oder zu durchqueren und warnt vor Muren und Steinschlag. Eine Notrufnummer, 191, wurde über einen offiziellen Zivilschutzkanal veröffentlicht; ihre landesweite Erreichbarkeit ist jedoch nicht gesichert. Warnkanäle können sich je nach Gebiet unterscheiden, und eine Meldung einer Behörde erreicht möglicherweise nicht jedes Gouvernement oder jede Gemeinde. Zur praktischen Vorsorge gehören ein höher gelegener sicherer Ort, Absprachen zur Kommunikation zwischen Familienmitgliedern, der Schutz von Ausweis- und Wohndokumenten sowie griffbereites Wasser, Medikamente, Grundbedarf und eine Möglichkeit, Telefone zu laden. Der YRCS und die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften nutzen Überwachung, Risikoerkennung, frühzeitige Maßnahmen, vorpositionierte Hilfsgüter und öffentliche Informationen. Ein vereinfachtes Hochwasser-Frühwarnprotokoll wurde 2024 eingeführt. Von der IOM unterstützte lokale Vorsorge- und Evakuierungsplanung kann Übungen und die Beteiligung von Binnenvertriebenen und Aufnahmegemeinden umfassen; ein einheitlicher Haushaltsstandard ist jedoch nicht dokumentiert. Nach einem Ereignis können YRCS-Teams schnelle Lagebewertungen, Erste Hilfe, Evakuierung, Krankentransport, psychosoziale Unterstützung sowie Hilfe bei Unterkunft, Wasser und Sanitärversorgung leisten. Unterstützung des RRM wird nach einer Vertreibungswarnung üblicherweise etwa 24 bis 72 Stunden später aktiviert, sofern Zugang und Finanzierung dies zulassen. Nach den Überschwemmungen von 2025 meldete die Weltgesundheitsorganisation die Lieferung von 136 Tonnen Medikamenten und Hilfsgütern, 108 wichtigen Geräten sowie 139.810 Infusionsbeuteln; damit wurden 27.762 Patientinnen und Patienten unterstützt. Die gemeldeten Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und Gebiete: Die Überschwemmungen von 2024 betrafen etwa 1,3 Millionen Menschen, vertrieben mehr als 480.000 und verursachten 427 Todesfälle. Ein Ereignis im August 2025 betraf etwa 329.350 Menschen in 47.050 Haushalten in 16 Gouvernements; 62 Menschen starben, 73 wurden verletzt und 4 galten als vermisst. UNICEF meldete in seiner Jahresauswertung separat mehr als 350.000 betroffene Menschen in 19 Gouvernements. Hilfe richtet sich im Allgemeinen nach Schäden und Schutzbedürftigkeit, nicht nach einem einheitlichen landesweiten Anspruch. Binnenvertriebene, Aufnahmegemeinden, Rückkehrende, Migranten, Geflüchtete, Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen und andere marginalisierte Gruppen können bevorzugt berücksichtigt werden. Unterstützung kann Notunterkünfte, Haushaltsgegenstände, Wassertanks, Latrinen, Entwässerungsarbeiten, Hygieneartikel, Lebensmittel, Bargeld, medizinische Hilfsgüter und Schutzdienste umfassen. Beschädigte Straßen und Brücken, Sicherheitsbeschränkungen, örtliche Genehmigungen und begrenzte Mittel können die Lieferung verzögern. Ein automatisches landesweites staatliches Hilfsgeld, ein kostenloser Reparaturdienst, ein Anspruch auf Evakuierung, eine Entschädigungsregel oder eine Katastrophenversicherung sind nicht dokumentiert. Warnungen und amtliche Hinweise sind üblicherweise kostenlos; Transport und private Reparaturen bleiben oft Kosten der Haushalte. Ein landesweites System für Evakuierungsrouten, Sammelstellen oder Entschädigungsregeln ist öffentlich nicht dokumentiert. Lokale Autoritäten, Zivilschutz, Gemeinden und YRCS können Evakuierungen abhängig von Gefahrenlage und Zugang organisieren. Das ist besonders in Binnenvertriebenenlagern, Wadis, Überschwemmungsgebieten und Küstenregionen relevant. Der Wiederaufbau kann Bargeldhilfe, Unterstützung der Lebensgrundlagen, Hausreparaturen und die Wiederherstellung von Wasser- und Sanitärsystemen, Straßen, Brücken, Gesundheitseinrichtungen und Infrastruktur für Binnenvertriebene umfassen. Dokumentierte Maßnahmen sind Gabionen, Hochwasserschutzmauern, Entwässerung, Wasserspeicherung und klimaresiliente öffentliche Gebäude. Das Ministerium für Wasser und Umwelt leitete einen Nationalen Umsetzungsplan für Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel für 2026–2030; die Umsetzung befindet sich noch in der Entwicklung.
Katastrophen im Jemen
Katastrophen im Jemen werden vor allem durch Sturzfluten, Überschwemmungen in Flusstälern, Stürme, Dürren und Wasserknappheit verursacht. Erdrutsche, Hitze und Küstenüberschwemmungen betreffen bestimmte Gebiete zusätzlich. Warn- und Hilfsdienste sind zersplittert; Zugang zu Unterstützung und Evakuierung hängt daher von Gouvernement, Sicherheit, Genehmigungen, Straßen und verfügbarer Finanzierung ab. Haushalte sollten örtliche Warnungen verfolgen, Dokumente, Wasser, Medikamente und Ladegeräte bereithalten und während oder nach Regen niemals Wadis oder Flutkanäle durchqueren.
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