Das Strafrecht Kameruns gilt für Handlungen auf kamerunischem Staatsgebiet, in den Hoheitsgewässern und im Luftraum sowie auf in Kamerun registrierten Schiffen und Luftfahrzeugen. Für bestimmte Straftaten, darunter Menschenhandel, Sklaverei, Drogendelikte, Geldwäsche, Cyberkriminalität, Korruption und Veruntreuung, kann die Strafgerichtsbarkeit Kameruns auch gelten, wenn die Tat außerhalb des Landes begangen wird. Sondergesetze ergänzen das Strafgesetzbuch unter anderem zu Cyberkriminalität, Verkehrsdelikten und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Nach dem Legalitätsprinzip müssen Straftat und Strafe gesetzlich geregelt sein. Strafrechtliche Verantwortlichkeit setzt grundsätzlich Vorsatz voraus, wobei eine Übertretung in manchen Fällen auch ohne Vorsatznachweis vorliegen kann. Natürliche Personen und Unternehmen können strafrechtlich verantwortlich sein; der Staat und öffentliche Einrichtungen sind nach den geprüften Vorschriften von der strafrechtlichen Verantwortung juristischer Personen ausgenommen. Versuch, Verschwörung, Mittäterschaft sowie Beihilfe sind geregelt. Notwehr, Zwang, Unfall, psychische Krankheit und Alter können die Verantwortlichkeit ausschließen oder mindern. Die wichtigsten Regelungen stehen in Gesetz 2016/007 über das Strafgesetzbuch, geändert durch Gesetz 2019/020. Dekret 2016/319 enthält ergänzende Regeln für einfache Übertretungen. Kamerun unterscheidet Verbrechen, Vergehen und Übertretungen. Ein Verbrechen ist mit der Todesstrafe oder einer Freiheitsstrafe bedroht, deren Höchstmaß mehr als 10 Jahre beträgt. Ein Vergehen ist mit mehr als 10 Tagen bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe von mehr als 25.000 CFA-Francs bedroht. Eine Übertretung ist mit bis zu 10 Tagen Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe von bis zu 25.000 CFA-Francs bedroht. Häufige Straftatbereiche sind Tötungsdelikte, Körperverletzung, Sexualstraftaten, Diebstahl, Raub, Betrug, Urkundenfälschung, Korruption, Veruntreuung öffentlicher Gelder, Menschenhandel, Sklaverei, Drogendelikte, Terrorismus, Straftaten gegen die öffentliche Ordnung und Hassrede, Verletzungen von Privatsphäre und Geheimnissen sowie Eigentums- und Immaterialgüterrechtsdelikte. Polizei und Gendarmerie handeln als Kriminalpolizei und ermitteln bei Straftaten. Der Procureur de la République, auch State Counsel genannt, leitet und überwacht die Ermittlungen und kann ein Verfahren ohne Anklage einstellen oder ein Strafverfahren einleiten. Wird eine gerichtliche Voruntersuchung eröffnet, führt ein Juge d'Instruction das formelle Ermittlungsverfahren. Der Gerichtsstand richtet sich üblicherweise nach dem Tatort, dem Wohnort der beschuldigten Person oder dem Ort ihrer Festnahme. Welches Gericht zuständig ist, muss jedoch im konkreten Fall geprüft werden. Eine Anzeige kann mündlich oder schriftlich bei der Staatsanwaltschaft oder Kriminalpolizei erstattet werden. Wer von einem Verbrechen oder Vergehen erfährt, sollte es unverzüglich melden. Bei einem Verbrechen ist ein Vorermittlungsverfahren vorgeschrieben; bei einem Vergehen oder einer Übertretung liegt es grundsätzlich im Ermessen der Behörden. Bei auf frischer Tat entdeckten oder unmittelbar danach festgestellten Straftaten gilt ein eigenes Verfahren, die flagrante-delicto-Prozedur. Bei Ermittlungen können Durchsuchungen, Beschlagnahmen, Sachverständigenbeweise, Gegenüberstellungen und internationale Rechtshilfeersuchen zum Einsatz kommen. Verdächtige haben Anspruch auf die Unschuldsvermutung, anwaltlichen Beistand und Schweigen sowie auf Mitteilung der Festnahmegründe und Zugang zu einer ärztlichen Untersuchung. Garde à vue bezeichnet den polizeilichen Gewahrsam und dauert gewöhnlich bis zu 48 Stunden, mit einer möglichen Verlängerung. In Ausnahmefällen kann der Procureur mit schriftlicher und begründeter Zustimmung zwei weitere Verlängerungen genehmigen. Liegt der Gewahrsamsort mehr als 50 Kilometer entfernt, kann die Frist um weitere 24 Stunden verlängert werden. Bei einem Verbrechen oder Vergehen auf frischer Tat oder wenn die verdächtige Person keinen bekannten Wohnsitz hat, kann der Gewahrsam unter bestimmten Umständen bis zu acht Tage dauern. Verzeichnisse und Gewahrsamsunterlagen müssen geführt werden. Untersuchungshaft ist eine Ausnahme und nur bei einem Verbrechen oder Vergehen zulässig. Je nach Verfahrensstand und Umständen kommen richterliche Auflagen, Entlassung oder Freilassung gegen Kaution in Betracht. Ein Antrag auf Freilassung oder Kaution kann je nach Fall bei der Kriminalpolizei, dem Procureur, dem Juge d'Instruction oder dem Prozessgericht gestellt werden. Habeas Corpus, also ein Antrag an ein Gericht, die Rechtmäßigkeit der Freiheitsentziehung zu überprüfen, kann gebührenfrei beim Präsidenten des Tribunal de Grande Instance am Ort der Festnahme oder des Gewahrsams gestellt werden. Eine einheitliche Haftdauer für alle Straftaten gibt es nicht; das Gericht muss den Einzelfall beurteilen. Das Tribunal de Première Instance verhandelt Vergehen und Übertretungen. Das Tribunal de Grande Instance ist für Verbrechen und damit verbundene Straftaten zuständig. Die Cour d'Appel behandelt Berufungen, die Cour Suprême Kassationsanträge. Militärgerichte sind in den ihnen zugewiesenen Angelegenheiten ebenfalls zuständig. Das Tribunal Criminel Spécial in Yaoundé ist landesweit zuständig für die Veruntreuung öffentlicher Gelder und damit verbundene Straftaten, wenn mindestens 50.000.000 CFA-Francs betroffen sind. Berufungen und Kassationsanträge müssen grundsätzlich binnen 10 Tagen eingelegt werden; ein Einspruch nach persönlicher Zustellung ebenfalls grundsätzlich binnen 10 Tagen. Die Staatsanwaltschaft betreibt normalerweise die öffentliche Strafverfolgung, die als action publique bezeichnet wird. Unter den gesetzlich festgelegten Voraussetzungen kann auch ein Opfer oder eine Behörde ein Strafverfahren anstoßen. Ein Opfer, Erbe oder eine andere Person mit einem unmittelbaren, sicheren und gegenwärtigen Verlust kann sich als partie civile, also als Zivilkläger im Strafverfahren, beteiligen. Eine plainte avec constitution de partie civile kann beim Juge d'Instruction eingereicht werden; vorbehaltlich einer vom Richter festgesetzten und über die Geschäftsstelle des Tribunal de Première Instance gezahlten Sicherheitsleistung. Auch eine direkte Ladung kann in Betracht kommen. Ein Versicherer kann geladen und gesamtschuldnerisch zum Schadensersatz verpflichtet werden. Zivilrechtliche Ansprüche verjähren grundsätzlich nach 30 Jahren; strafrechtliche Verjährungsfristen betragen im Allgemeinen 10 Jahre bei Verbrechen, drei Jahre bei Vergehen und ein Jahr bei Übertretungen. Die geprüften zentralen Rechtsquellen sehen kein allgemeines automatisches staatliches Entschädigungssystem für Opfer vor; Zivilklagen und Versicherungen sind die wichtigsten belegten Möglichkeiten. Zu den Strafen zählen die Todesstrafe, Freiheitsstrafen und Geldbußen. Unternehmen können mit Auflösung, Schließung oder Geldbußen belegt werden. Gemeinnützige Arbeit und sanction-réparation können in geeigneten Fällen die Strafe ersetzen oder ergänzen. Gemeinnützige Arbeit umfasst 200 bis 240 unbezahlte Stunden und kommt grundsätzlich bei Straftaten in Betracht, die mit weniger als zwei Jahren Freiheitsstrafe oder mit einer Geldstrafe bedroht sind; die Zustimmung der betroffenen Person ist erforderlich. Weitere Maßnahmen können Einziehung, Veröffentlichung des Urteils, Schließung und Beschlagnahme umfassen. Präventive Maßnahmen sind unter anderem Tätigkeitsverbote, nachstrafrechtliche Aufsicht oder Unterstützung, präventive Unterbringung und die Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung. Ein Todesurteil wird dem Präsidenten zur möglichen Umwandlung vorgelegt. Kinder unter 10 Jahren sind nicht strafmündig. Bei Kindern zwischen 10 und unter 14 Jahren sind nur gesetzlich vorgesehene besondere Maßnahmen, keine Erwachsenenstrafen, zulässig. Personen zwischen 14 und unter 18 Jahren tragen eine verminderte strafrechtliche Verantwortlichkeit und können von einem Milderungsgrund profitieren. Ab 18 Jahren gilt Erwachsenenrecht. Minderjährige, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden, sollen in einer besonderen Einrichtung oder getrennt von Erwachsenen untergebracht werden. Zuständiges Gericht und Schutzverfahren richten sich nach Tat und Alter des Kindes. Ein kindliches Opfer kann unabhängig vom Alter aussagen. Fahren unter Einfluss kann zu Freiheits- oder Geldstrafe, zum Entzug der Fahrerlaubnis oder zu einem Verbot führen, diese für bis zu zwei Jahre zu erwerben. Verkehrsübertretungen können nach dem Festgeldverfahren der Strafprozessordnung geahndet werden, meist durch Polizei oder Gendarmerie und nach dem Grundsatz des geringstmöglichen Eingriffs. Ein schwerer Verkehrsunfall kann zusätzlich zu einer Anklage wegen Körperverletzung oder Tötung führen. Digitale Straftaten nach Gesetz 2010/012 umfassen unbefugten Zugriff, Abfangen von Kommunikation, Angriffe auf Daten- oder Systemintegrität, Online-Identitätsanmaßung, Fälschungen elektronischer Zahlungsmittel oder Zahlungskarten sowie Datenschutz- und Privatsphäreverstöße. ANTIC ist für Cyber- und Informationssicherheit zuständig; ART reguliert die Telekommunikation. Für die strafrechtliche Verfolgung bleiben Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft zuständig. Die Prozesskostenhilfe richtet sich nach Gesetz 2009/004. Anträge können mündlich oder schriftlich bei der Geschäftsstelle des Gerichts gestellt werden und erfordern einen Nachweis finanzieller Bedürftigkeit oder Mittellosigkeit. Gerichts-, Anwalts- und Sicherheitsleistungskosten hängen vom Einzelfall ab; eine landesweit einheitliche Bearbeitungsdauer gibt es nicht. Gerichtskapazität, Sprache, Haft, Bewilligung der Prozesskostenhilfe und regionale Praxis können die Dauer erheblich beeinflussen. Für dieses Thema gilt in Kamerun ein landesweit einheitliches Strafrecht, kein eigenes regionales oder städtisches Strafrechtssystem.
Strafrecht in Kamerun
Das Strafrecht Kameruns definiert Straftaten, Ermittlungen, Gerichtsverfahren und Sanktionen. Es schützt zugleich Verdächtige, Beschuldigte, Verurteilte und Opfer. Die wichtigsten Regelungen stehen im Strafgesetzbuch und in ergänzenden Sondergesetzen. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte haben jeweils festgelegte Zuständigkeiten.
VivAVia kann Fehler machen. Überprüfe wichtige Informationen.

