Nach Schätzungen der Regierung sind etwa 99 Prozent der Bevölkerung sunnitische Muslime; andere Schätzungen sprechen von kleinen schiitischen und nichtmuslimischen Minderheiten. Nichtmuslime sind überwiegend ausländische Einwohner. Kleine christliche Gemeinschaften gibt es in Nouakchott, Kaédi, Atar, Nouadhibou und Rosso. Öffentlicher christlicher Gottesdienst findet in der Regel nur in zugelassenen Kirchen statt und ist meist nur für Ausländer zugänglich. Private Religionsausübung ist praktisch weniger eingeschränkt als öffentliche religiöse Aktivitäten. Das Ministerium für islamische Angelegenheiten und traditionelle Bildung (MIATE) beaufsichtigt islamische Orientierung, Moscheen, Pilgerorganisation, Mahadras, regionale religiöse Institute, Erwachsenenalphabetisierung und religiöse Medien. Eine Mahdara ist eine traditionelle Schule für Koran- und Islamstudien. Der Haut Conseil de la Fatwa et des Recours Gracieux gibt religiöse Gutachten in der malikitischen Tradition heraus und hat neun Mitglieder mit einer Amtszeit von vier Jahren. Das Bildungsministerium verwaltet die Lehrpläne; Gerichte wenden das Personenstandsgesetz Nr. 2001-052 auf Ehe, Scheidung und Erbschaft an. Zur üblichen täglichen Praxis gehören die fünf Säulen des Islams, Gebete in der Moschee, Fasten während des Ramadan, Zakat und die Vorbereitung auf Hadsch oder Umra. Die Termine für Ramadan und Eid richten sich nach dem Mondkalender und werden bekannt gegeben, nachdem der Nationale Mondsichtungsausschuss die Sichtung des Neumonds geprüft hat. Eid al-Fitr und Eid al-Adha sind landesweite Feiertage. Ein Präsidialdekret kann einen Ersatzfeiertag festlegen, wie landesweit am 31. März 2025 nach Eid al-Fitr. MIATE stellt außerdem Gebetszeiten, Koranradio und -fernsehen, Koranwettbewerbe und religiöse Beratung bereit. Die Regierung verlangt gelegentlich einheitliche Freitagspredigten. Hadsch und Umra werden jährlich über das Ministerium organisiert. Verlässliche Standardgebühren für religiöse Dienste liegen nicht vor; Kosten für Pilgerfahrten und Mahadras unterscheiden sich nach Anbieter, Vereinbarung und Jahr. MIATE meldete am 5. Februar 2026 mehr als 11.000 zugelassene Mahadras. Es gelten Regeln zu Registrierung, Unterrichtsgenehmigung, Bildungsvoraussetzungen und Kinderschutz. Eine nicht zugelassene Mahdara kann bis zur Regularisierung geschlossen werden. Staatliche Einrichtungen sind das Institut Supérieur des Études et de Recherches Islamiques, die Grande Mahdara Chinguittiya und regionale Institute. Islamunterricht wird auch an nicht internationalen Schulen angeboten; die Teilnahme ist nicht verpflichtend und nicht alle Schülerinnen und Schüler müssen einen religiösen Abschluss erwerben. Wettbewerbe zum Auswendiglernen des Korans und in islamischen Studien eröffnen weitere Bildungswege. Die Verfassung bezeichnet Mauretanien als Islamische Republik und erklärt den Islam zur Religion des Volkes und des Staates. Gedanken-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit unterliegen gesetzlichen Einschränkungen; die Verfassung schützt Personen, die sich rechtmäßig im Land aufhalten. Sie erkennt außerdem ein nationales Fatwa-Gremium an. Mauretanien akzeptierte das Recht auf Religionsfreiheit nach Artikel 18 des ICCPR mit einem Vorbehalt, der die Anwendung der islamischen Scharia wahrt. Gotteslästerung, Apostasie und das Verbergen einer Apostasie bei gleichzeitigem öffentlichen Bekenntnis zum Islam sind Straftaten. Nach der Änderung von Artikel 306 im Jahr 2018 gilt für einschlägige Straftaten die Todesstrafe ohne die frühere Milderung bei Reue; bis 2023 wurden Berichten zufolge keine Hinrichtungen wegen dieser Straftaten verzeichnet. Missionierung wird nicht als eigenständige Straftat aufgeführt, ist aber von den Behörden verboten. Öffentlicher Ausdruck einer anderen Religion als des Islams ist untersagt. Der Besitz nichtislamischer Materialien ist legal, ihre Verbreitung oder der Druck jedoch verboten. Wer den Islam verlässt, kann schwerem familiärem und gesellschaftlichem Druck, Ausgrenzung, Gewalt oder Strafverfolgung ausgesetzt sein. Ein sicheres öffentliches Verfahren für Religionswechsel mauretanischer Staatsbürger ist nicht belegt. Vom Staat unterstützter religiöser Dialog ist überwiegend islamisch geprägt. MIATE fördert Mäßigung, Toleranz und Zusammenleben durch Konferenzen und Workshops, darunter Zusammenarbeit mit dem Abu Dhabi Forum for Peace und UNODC-Programmen gegen Radikalisierung. Eine breit angelegte interreligiöse Institution mit gleichem Status ist nicht belegt. Muslimische Ehe, Scheidung, Erbschaft und religiöse Zeremonien sind gesellschaftlich vorherrschend; formelle nichtislamische zivile Alternativen für Staatsbürger sind nicht verlässlich dokumentiert. Auch Sterbe- und Bestattungspraktiken sind stark vom Islam geprägt, wobei die genauen formellen Regeln örtlich variieren.
Religion in Mauretanien
Die Religion in Mauretanien ist überwiegend sunnitischer Islam; die malikitische Tradition prägt das öffentliche religiöse Leben, Bildung und Regeln zum Personenstand. Moscheen, Ramadan, die beiden Eid-Feste, Koranunterricht und Pilgerfahrten sind zentrale Praktiken. Die Verfassung erklärt den Islam zur Religion des Staates und der Bevölkerung. Öffentlicher religiöser Ausdruck außerhalb des Islams und Religionswechsel sind jedoch mit schwerwiegenden rechtlichen und praktischen Einschränkungen verbunden.
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