Etwa 60 % der Bevölkerung des Südsudan leben in der Nähe von Flüssen; ungefähr 5,4 Millionen Menschen sind Überschwemmungen ausgesetzt. Rund 25 % der Bevölkerung leben in Gebieten mit hohem Risiko schwerer Überschwemmungen. Zu den besonders betroffenen Gebieten gehören Jonglei, Unity, Upper Nile, Warrap, Northern Bahr el Ghazal, Lakes sowie Central und Eastern Equatoria. Die Flusssysteme des Sudd, Sobat, Bahr el-Jebel, Bahr el-Ghazal und Weißen Nils prägen die örtliche Gefährdung. Ein Hochwasser mit einer Wiederkehrperiode von zwanzig Jahren kann nahezu jeden Bundesstaat betreffen; besonders schwerwiegende Risiken bestehen in Unity, Warrap, Jonglei sowie im Sudd- und Machar-Gebiet. Dürren verursachen Wasserknappheit, Verlust von Weideland und Ernten, Viehverluste und Ernährungsunsicherheit. Klimaschwankungen und Niederschläge flussaufwärts, darunter Wasserabgaben aus dem Lake-Victoria-System, können das Überschwemmungsrisiko erhöhen. Erdbeben, Extremwetter und Waldbrände kommen in Gefährdungsanalysen mit mehreren Gefahren vor, sind vor Ort jedoch weniger umfassend dokumentiert als Überschwemmungen und Dürren. Die Überschwemmungen konzentrieren sich auf die Regenzeit, die normalerweise von Juni bis September dauert und etwa 70 % des Jahresniederschlags bringt. Typische Überflutungen dauern von Juli bis Oktober an. Die jüngsten Auswirkungen verdeutlichen das Ausmaß der Störungen: 2024 waren mehr als 1,4 Millionen Menschen betroffen und mehr als 377.000 in 44 Counties vertrieben. Bis zum 24. Oktober 2025 waren in sechs Bundesstaaten und 26 Counties mehr als 961.000 Menschen betroffen und etwa 335.000 vertrieben. 2024 standen durch die Überschwemmungen 58 Gesundheitseinrichtungen und 522 Schulen unter Wasser. 2025 waren 143 Gesundheitseinrichtungen betroffen, darunter 44, die vollständig zerstört wurden. Das Ministerium für humanitäre Angelegenheiten und Katastrophenmanagement leitet die nationale Koordination. Die Relief and Rehabilitation Commission (Hilfs- und Wiederaufbaukommission, RRC) ist die gesetzlich eingerichtete Regierungsbehörde für Hilfe, Wiederaufbau, Umsiedlung, Reintegration, Notvorräte, Katastrophenschulungen und die Koordination mit humanitären Organisationen. Taskforces der Bundesstaaten und Counties, lokale Katastrophenschutzkomitees, die Nationale Plattform zur Katastrophenvorsorge und humanitäre Partner unterstützen die Reaktion. Zu den Partnern gehören unter anderem das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, die Internationale Organisation für Migration, der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, UNICEF, das Welternährungsprogramm und das Rote Kreuz des Südsudan. Die RRC hat Büros in allen Bundesstaaten, den drei Verwaltungsgebieten und den Counties; Umsetzung und staatliche Kapazitäten unterscheiden sich jedoch je nach Ort. Eine typische Reaktion führt von einer Warnung oder ersten Lagebeurteilung über eine Taskforce oder ein Emergency Operations Centre (Notfall-Einsatzzentrum) zu einer behördenübergreifenden Schnellbewertung des Hilfsbedarfs, priorisierter Hilfe in Counties und Payams, Überwachung und Wiederaufbau. Hochwasserpläne sehen als Zielzeiten bis zu zwei Stunden für eine Ereignisbesprechung, sechs Stunden für eine Kurzmeldung und zwölf Stunden für die Koordination von Suche und Rettung vor. Behörden versuchen, Vorräte und Ausrüstung vor Beginn der Regenzeit in die Gebiete zu bringen, da Straßen und Brücken unpassierbar werden können und manche Orte nur per Boot oder Lufttransport erreichbar sind. Warnungen können über das nationale Mehrgefahren-Frühwarnbulletin, Hochwasserwarnungen und tägliche Wasserstandsmeldungen des Ministeriums für Wasserressourcen und Bewässerung oder das Frühwarnsystem für Hochwasservorhersagen des östlichen Nils erfolgen. Behörden, Taskforces, Gemeindevorsteher, das Rote Kreuz des Südsudan, Radiosender und humanitäre Partner übermitteln Mitteilungen an Gemeinschaften. Das geplante nationale Hochwasserwarn- und Frühwarnsystem soll Datenverzögerungen unter drei Stunden, Vorhersagen mit drei bis fünf Tagen Vorlauf und eine Auflösung von einem Kilometer erreichen und dabei Satellitendaten, Hydrologie und lokales Wissen nutzen. 2025 war die nationale Warnkette wegen fehlender hydrometeorologischer Messstationen, Datenlücken und begrenzter Kapazitäten weiterhin zersplittert. Im Südsudan ist weder ein landesweit verpflichtendes Evakuierungsverfahren noch ein dauerhaftes nationales Schutzunterkunftssystem dokumentiert. In der Praxis ziehen Haushalte und Gemeinschaften möglicherweise freiwillig auf kartierte höher gelegene Gebiete, temporäre Standorte, Dämme oder erhöhte Flächen. Staatliche Behörden, die RRC, das Camp Coordination and Camp Management-System, die Internationale Organisation für Migration, der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und das Rote Kreuz des Südsudan können Umsiedlungen unterstützen. Ein sicherer Standort benötigt Wasser, Sanitärversorgung, Hygieneangebote, Unterkünfte, Gesundheitsversorgung, Schutz und zuverlässigen Zugang. Vertriebene, Rückkehrer, Flüchtlinge, Kinder, Frauen, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und Viehhalter können besonderen Risiken ausgesetzt sein. Umsiedlungen können außerdem zu Überbelegung, erneuter Vertreibung, Schutzproblemen, Gewalt und Streitigkeiten um Land oder Ressourcen führen. Hilfe richtet sich im Allgemeinen nach Bedarfsbewertungen und verfügbaren Mitteln und nicht nach einem allgemeinen individuellen Anspruch. Unterstützung kann Wasser- und Sanitärversorgung, Unterkünfte und Haushaltsgegenstände, Lebensmittel, Schutz, Ernährung, Bildung, Gesundheitsdienste, Evakuierungshilfe, Wasserqualitätsmaßnahmen sowie Reparaturen an Dämmen oder Sandsackbarrieren umfassen. Menschen erreichen Hilfe meist über lokale Behörden, die RRC, Gemeinschaftsstrukturen oder humanitäre Partner. Ein landesweit standardisiertes Entschädigungsgeld, eine verpflichtende Katastrophenversicherung oder eine garantierte Geldleistung ist nicht dokumentiert. Lokale Selbsthilfe, Familien- und Gemeinschaftsnetze, Boote, höher gelegene Orte und gemeinschaftlich errichtete Barrieren bleiben praktische Alternativen, wenn formelle Hilfe verspätet oder gar nicht verfügbar ist. 2024 stellte der Humanitäre Fonds des Südsudan 5 Millionen US-Dollar für Aweil East, Nasir, Rubkona, Mayendit und Fangak bereit; der Zentrale Nothilfefonds steuerte weitere 10 Millionen US-Dollar bei. Unterfinanzierung schränkt die Versorgung weiterhin ein. Am Wiederaufbau beteiligt sind das Ministerium für humanitäre Angelegenheiten und Katastrophenmanagement, die RRC, Behörden der Bundesstaaten und Counties, UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und Entwicklungspartner. Die Arbeiten können Häuser, Straßen, Brücken, Schulen, Gesundheits- und Wasseranlagen, Lager und Lebensgrundlagen wiederherstellen. Die Strategie und der Aktionsplan für dauerhafte Lösungen umfassen Flüchtlinge, Rückkehrer, Binnenvertriebene und Aufnahmegemeinschaften. Hochwasserresistenter Wiederaufbau kann Gebäude und Wasserstellen anheben, Latrinen verbessern, Dämme und Deiche verstärken, Versorgungswege schützen, Material vor der Regenzeit einlagern und klimaresistente Landwirtschaft fördern. Wiederkehrende Überschwemmungen erfordern häufig langfristige Maßnahmen zur Widerstandsfähigkeit statt einer einzelnen Reparatur nach dem Rückgang des Wassers. Zur kritischen Infrastruktur gehören Straßen und Brücken, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Wasserquellen, Sanitärsysteme, Dämme, Lagerhäuser, Kommunikationsnetze und hydrometeorologische Messstationen. 2021 beschädigten Überschwemmungen mehr als 100.000 Gebäude und verursachten direkte Schäden von über 670 Millionen US-Dollar. Als vorrangige Standorte für bessere Hochwasserwarnungen wurden Malakal, Akobo, Pibor, der Sobat-Weiße-Nil-Korridor, Juba, Yirol, Bentiu, Bor und Nasir benannt. Krankheitsausbrüche, bewaffnete Konflikte und Kriminalität können Katastrophenfolgen verschärfen, indem sie Gesundheitsversorgung beschädigen, Zugang beschränken oder Schutzrisiken erhöhen. In dieser Einordnung sind sie jedoch keine eigenständigen Katastrophentypen.
Katastrophen im Südsudan
Der Südsudan ist wiederkehrenden Fluss- und Sturzfluten als größtem Katastrophenrisiko ausgesetzt, gefolgt von Dürren. Überschwemmungen treten am häufigsten von Juli bis Oktober während der Regenzeit von Juni bis September auf und beeinträchtigen Gemeinschaften, Straßen, Brücken, Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Wassersysteme und Lebensgrundlagen. Die Katastrophenhilfe verbindet staatliche Koordination, lokale Maßnahmen und humanitäre Unterstützung. Warnungen, Transport und Hilfe sind jedoch in den Bundesstaaten, Counties und Payams unterschiedlich verfügbar.
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