Der Arbeitsmarkt beschreibt, wie Menschen ihre Arbeit anbieten, wie Unternehmen und Einrichtungen Arbeitskräftenachfrage schaffen und wie sich Stellen, Löhne, Qualifikationen und Möglichkeiten in Madagaskar unterscheiden. 2021–2022 betrugen Erwerbsbeteiligung 58,8 % und Beschäftigung unter Personen im erwerbsfähigen Alter 54,9 %. Bei Männern lag die Erwerbsbeteiligung bei 66,9 %, bei Frauen bei 51,2 %. Die Unterauslastung der Arbeitskräfte bei Erwachsenen ab 25 Jahren, ein breiteres Maß für die unzureichende Nutzung verfügbarer Arbeit, betrug 10,4 %. Die informelle Beschäftigung junger Menschen erreichte 98,9 %. Diese Zahlen zeigen, warum die Arbeitslosenquote allein kein vollständiges Bild bietet: Viele Menschen arbeiten mit geringer Produktivität, unregelmäßigem Einkommen oder zu wenigen Stunden. Die Landwirtschaft stellt etwa 60,7 % der Arbeitsplätze, der sekundäre Sektor 14,7 % und Dienstleistungen 24,6 %. In ländlichen Gebieten entfallen rund 70 % der Beschäftigung auf die Landwirtschaft. Wachstumschancen konzentrieren sich auf Agrarwirtschaft, Wertschöpfungsketten für Vanille und Viehzucht, Textilien und leichte Fertigung, Tourismus, digitale Dienstleistungen, Bergbau, Energie und Bau. Klimaschocks, Stromausfälle, schwache Infrastruktur und politische Instabilität können Beschäftigung und Produktivität beeinträchtigen. Die regionalen Unterschiede sind erheblich. In Bongolava entfallen 84,9 % der Beschäftigung auf Landwirtschaft, in Itasy 82,8 %, in Melaky 76,9 %, in Sofia 76,1 %, in SAVA 71,4 % und in Vakinankaratra 70,8 %. Analamanga hat eine stärker diversifizierte Struktur: 40,7 % der Beschäftigung entfallen auf den Primärsektor, 21,5 % auf den sekundären Sektor und 37,8 % auf Dienstleistungen. In Betsiboka ist der sekundäre Sektor mit etwa 57 % ungewöhnlich groß; Vatovavy weist ungefähr 40,8 % im Primärsektor und 42,7 % im sekundären Sektor auf. Die regionale Zusammensetzung beeinflusst Zugang zu Arbeitgebern, Ausbildungsanbietern, Transport, Strom und öffentlichen Diensten. Technische und berufliche Bildung und Ausbildung, lokal ETFP genannt, verbindet Qualifikationen mit Beschäftigung. Zu den Wegen gehören Certificat de Fin d’Apprentissage (CFA), Certificat d’Aptitude Professionnelle (CAP), Brevet d’Apprentissage Élémentaire (BAE), Brevet d’Études Professionnelles (BEP), Brevet de Technicien (BT), Baccalauréat Professionnel, Baccalauréat Technique, Brevet de Technicien Supérieur (BTS) und Validation des Acquis de l’Expérience (VAE), die einschlägige Berufserfahrung anerkennt. Die Erstausbildung ETFP kann nach der Grundschule oder der unteren Sekundarstufe beginnen. Ein Baccalauréat Technique dauert normalerweise drei Jahre, ein BTS zwei Jahre. Öffentliche und private Anbieter dürfen tätig sein, wenn sie staatlich anerkannt sind. Das für technische und berufliche Ausbildung zuständige Ministerium erfasst Anbieter nach Regionen. Der Fonds Malgache de Formation Professionnelle (FMFP) hat seit 2019 mehr als 70.000 Beschäftigte ausgebildet, davon 49 % Frauen, in allen 23 Regionen. ProAgro YOUTH verbindet ländliche Ausbildung, Unternehmensentwicklung und Vermittlung in der Agrarwirtschaft. Eine Diskrepanz zwischen vorhandenen Kompetenzen und Bedarf ist weiterhin belegt. Löhne unterscheiden sich nach Branche, Standort, Unternehmen und Beschäftigungsform. Seit dem 1. März 2026 beträgt die gesetzliche Untergrenze für private KMU 300.000 Ariary monatlich bei nichtlandwirtschaftlicher und 304.300 Ariary bei landwirtschaftlicher Arbeit. Die Untergrenze richtet sich nach der Kategorie und kann nach Konsultation des Conseil National du Travail et de l’Emploi per Dekret geändert werden. Akkord-, Stück- und Zielentgelt dürfen nicht unter den vergleichbaren Zeitlohn fallen. Die Caisse Nationale de Prévoyance Sociale (CNaPS), Madagaskars Sozialversicherungskasse, verwendet Beitragsobergrenzen von 2.400.000 und 2.434.400 Ariary für die jeweiligen Kategorien. Eine formelle Beschäftigung im Privatsektor kann über CNaPS Familienleistungen, Schutz bei Arbeitsunfällen und Rentenansprüche bieten; informelle Arbeit schränkt praktischen Zugang und Durchsetzung ein. Unternehmenseinkommen ist nicht dasselbe wie der Lohn eines Beschäftigten. In der Haushalts- und Beschäftigungserhebung EPM 2021–2022 betrug das Medianeinkommen nichtlandwirtschaftlicher Unternehmen 960.000 Ariary. In Städten lag der Median bei 1.140.000 Ariary und auf dem Land bei 600.000 Ariary. Von Männern geführte Unternehmen hatten ein Medianeinkommen von 840.000 Ariary, von Frauen geführte 576.000 Ariary. Diese Zahlen beschreiben Unternehmenseinkommen und keinen garantierten Monatslohn. Das Institut National de la Statistique (INSTAT) erstellt wichtige Arbeitsmarktdaten, darunter die EPM-Erhebung. Das Observatoire National de l’Emploi et de la Formation (ONEF) vermittelt offiziell zwischen offenen Stellen und Bewerbern und verweist auf marktgerechte ETFP-Ausbildung. Regionale Arbeitsvermittlungsdienste des Ministeriums für Arbeit, Beschäftigung, öffentlichen Dienst und Sozialgesetze (MTEFPLS) bieten einen weiteren öffentlichen Zugang. Weitere Wege sind direkte Arbeitgeberkontakte, persönliche Netzwerke und private Onlineportale. Über das Onlineportal des Ministeriums kann die Gleichwertigkeit von Abschlüssen beantragt werden, auch für ausländische Qualifikationen. Die verfügbare Evidenz belegt kein landesweites Äquivalent zu Arbeitslosengeld; Arbeitsvermittlung, Ausbildung und formelle Beschäftigung sollten daher nicht als Einkommensschutz behandelt werden. Wirtschaftswachstum schafft nicht automatisch genügend Arbeitsplätze. Das BIP-Wachstum betrug 2024 etwa 4,2 % und reichte nicht für eine erhebliche Schaffung von Stellen aus. Die bestbezahlten 25 % der Unternehmen zahlten bis zu siebenmal so viel wie die am niedrigsten bezahlten 25 %. Nur 8 % der Unternehmen gaben an, Zugang zu Bankkrediten zu haben; 52 % waren von Stromausfällen betroffen und 30 % meldeten unzureichend ausgebildete Arbeitskräfte. Zu den aktuellen Reformschwerpunkten zählen Start-ups und KMU, Unternehmertum, Ausbildung von Beschäftigten, Energie, Bergbau und digitale Tätigkeiten. ILO-Programme HIMO und DEFIS in Atsimo Atsinanana, Amoron’i Mania und Haute Matsiatra hatten bis Dezember 2024 625 direkte Stellen und 19.000 Personentage Arbeit geschaffen; 52 % der Teilnehmenden waren Frauen und 56 % junge Menschen. Migration spielt auf dem nationalen Arbeitsmarkt eine geringere Rolle als informelle Beschäftigung im Inland. 2024 lebten rund 39.000 Zugewanderte in Madagaskar, etwa 0,1 % der Bevölkerung. Arbeitsmigration ins Ausland umfasst Vertragsgenehmigung, Sicherheitsprüfungen und konsularische Vorregistrierung; 2022 wurden 1.817 auswandernde Beschäftigte vorregistriert. Das Verfahren dauert laut Angabe über drei Ministerien höchstens 15 Tage. Mit Mauritius und den Komoren bestehen bilaterale Arbeitsvereinbarungen. Entsendungen in bestimmte Hochrisikoländer, darunter Ziele am Persischen Golf, sind im dokumentierten System weiterhin ausgesetzt oder beschränkt. Das Arbeitsgesetzbuch von 2024 enthält Migrationsbestimmungen; eine gendersensible nationale Arbeitsmigrationspolitik wird geprüft. Auch die Binnenwanderung zwischen ländlichen und städtischen Gebieten ist relevant, da Klimadruck und regionale Unterschiede den Zugang zu Arbeit verändern. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Arbeit zu haben und stabil, produktiv und geschützt beschäftigt zu sein. Eine realistische Einschätzung sollte regionale Branchenstruktur, erforderliche Qualifikationen, erwartetes Einkommen, Vertragsform, Sozialversicherung, Transport- und Strombedingungen sowie Zuverlässigkeit von Arbeitgeber oder Vermittler vergleichen.
Arbeitsmarkt in Madagaskar
Der Arbeitsmarkt Madagaskars wird von informeller Arbeit, Landwirtschaft und großen Unterschieden zwischen Regionen, Qualifikationen und Einkommen geprägt. Rund 95 % der Beschäftigung von Erwachsenen sind informell; die internationale Arbeitslosenquote beträgt dagegen 6,6 %. Eine niedrige Arbeitslosigkeit bedeutet daher keine sichere oder produktive Arbeit. Zugang zu Stellen und Ausbildung hängt stark von Standort, Kompetenzen, Infrastruktur und Kontakten zu Arbeitgebern oder öffentlichen Arbeitsvermittlungsdiensten ab.
VivAVia kann Fehler machen. Überprüfe wichtige Informationen.

